Raumschiff Enterprise : Mr. Spock: „Sie geben einen überzeugenden Nazi ab“

Die Nazis sind schuld. Wirklich? An allem? Adolf Hitler trägt für viel Unmenschliches die Verantwortung, nicht aber für die Serie "Raumschiff Enterprise". Die läuft ewig, aber eine Folge wurde nie im deutschen Free-TV gezeigt.

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Mr. Spock.
Mr. Spock.Foto: Screenshot

Die Nazis sind an allem schuld. Wirklich? An allem? Adolf Hitler trägt für viel Unmenschliches die Verantwortung, nicht aber für die Serie "Raumschiff Enterprise". Die wurde vor allem von Gene Roddenberry fürs US-Fernsehen geschrieben und von 1966 bis 1969 ausgestrahlt. Ein immenser Erfolg deutete sich an, national, global. Das ZDF zeigte die Produktion ab 1972, nur eine Folge aus Staffel 2 wurde nie gezeigt: „Schablonen der Gewalt“. Die gab es nur auf Video und DVD mit der Altersfreigabe 16, später lief sie im Pay-TV.

„Patterns of Force“ erlebt erst am heutigen Freitag in ZDFneo um 22 Uhr 40 seine Premiere im deutschen Free-TV. Offensichtlich hält der öffentlich-rechtliche Sender das Publikum jetzt für gefestigt und reif genug, dieses 50. Abenteuer der Crew um Captain James T. Kirk (William Shatner) zu erleben. In der „Nazi-Folge“ müssen Kirk und sein Wissenschaftsoffizier Mr. Spock (Leonard Nimoy), auf dem Planeten Ekos wortwörtlich nach dem Rechten sehen.

Die Bewohner dieses Planeten imitieren das Dritte Reich mit Führerkult und Hitlergruß, und sie führen einen totalen Krieg gegen den technologisch fortschrittlichen Planeten Zeon. Dessen Bewohner werden als „zeonistische Schweine“ beleidigt, das geschulte Ohr hört sofort die Analogie auf „zionistische Schweine“ heraus. Führer der Ekoser ist John Gill, ehemals Ausbilder von Kirk, ein lange vermisster Wissenschaftler – und ein Verführter.

Kirk und Spock müssen ihn wieder „umdrehen“, das Töten beenden, die friedlichen Kräfte unter den Ekosern an die Macht bringen, schlichtweg per Staatsstreich den interstellaren NS-Wahnsinn beenden, auf dass nicht weitere Systeme befallen werden. Die erklärten Antifaschisten der „Enterprise“ schlüpfen zwischenzeitlich in Nazi-Uniformen, was den Halbvulkanier Spock zu einem gewagten Kompliment für den SS-Mann Kirk hinreißen lässt: "Sie geben einen sehr überzeugenden Nazi ab."

"Schablonen der Gewalt" ist selbst unter "Trekkies" umstritten. In genau 45 Minuten wird das gewaltige Thema Nationalsozialismus bewältigt, da sind Dramaturgie, Personal und Dialoge stellenweise von erhabener Einfachheit. Von auch nur annähernd kritischer Aufarbeitung ist diese unbedarfte Darstellung Lichtjahre entfernt.

Doch das Thema schien Autor John Meredyth Lucas, den Sendern NBC und CBS und den Stars wie Shatner und Nimoy – die beide jüdischen Glaubens sind – zu wichtig und eben sehr geeignet für die beliebte Konstellation Gut gegen Böse. Die Nazis und ihre Ideologie werden niemals aussterben, auch im Jahr 2200 müssen sie bekämpft werden. "Selbst in Galaxien, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat", wie es im Vorspann der Kultserie heißt. Wo Leidenschaft ist, da ist auch Hoffnung.

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