Rettungsversuche : Drucken, pumpen, hoffen in der Finanz- und Schuldenkrise

Aus deutscher Perspektive ist die aktuelle Krise seltsam unwirklich. Vielleicht liegt es daran, dass Europas größte Wirtschaftsmacht den Problemen so offenkundig unentschlossen entgegentritt.

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Noch ist die Finanzkrise für Deutschland ähnlich unwirklich wie die Bankentürme von Frankfurt am Main im Nebel.
Noch ist die Finanzkrise für Deutschland ähnlich unwirklich wie die Bankentürme von Frankfurt am Main im Nebel.Foto: dpa

Welch ein Kontrast: Da verkündet am Mittwochmorgen Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, wieder einmal herausragende Zahlen vom deutschen Jobmarkt. Und nur wenige Stunden später eilen die Vertreter der wichtigen Notenbanken der Welt zu einer gemeinsamen Rettungsaktion, um eine neuerliche globale Wirtschaftskrise abzuwenden. Sie pumpen Milliarden in die Banken, damit der Finanzsektor nicht wieder austrocknet und die Realwirtschaft mit in die Tiefe zieht – wie 2008, als der Kollaps der US-Bank Lehman Brothers eine globale Rezession auslöste.

Es ist das Wesen dieser Finanz- und Schuldenkrise, dass sie auf eigentümliche Art virtuell ist, zumindest aus Sicht der Deutschen. Wo die Milliarden und Billionen fehlen, ist nur auf den Monitoren der Geldhändler in Frankfurt am Main oder London zu sehen, nicht aber in den Ministerbüros der Bundesregierung. Vielleicht liegt es daran, dass Europas größte Wirtschaftsmacht den Problemen so offenkundig unentschlossen entgegentritt. Es scheint sie nicht zu kümmern, dass bislang alle mit großem Ballyhoo aufgezogenen EU-Gipfel der Krise nichts entgegensetzen konnten, dass nicht einmal der aufgeblasene Rettungsfonds EFSF die Investoren noch beeindruckt.

Verlassen können sich Angela Merkel und Wolfgang Schäuble zumindest auf die Währungshüter. Die Europäische Zentralbank druckt Geld, um Pleitestaaten wie Italien und Spanien durchzuschleppen. Und sie greift den Banken unter die Arme, wenn denen die Mittel auszugehen drohen. Das ist ein netter Zug, aber keine langfristige Lösung der Probleme. Dies gilt ebenso für ein Eingreifen des Internationalen Währungsfonds, von dem viele Krisenmanager nun träumen.

Womöglich wäre es sogar schädlich, wenn die Europäer segensverheißende Milliarden in Washington mobilisieren könnten. Der Spardruck auf dem Kontinent würde wohl abrupt nachlassen. Nein, helfen können sich die Euro-Länder nur selber – indem sie rasch und glaubhaft mit der Schuldenpolitik der vergangenen Jahrzehnte brechen und sich entsprechende Regeln geben. Alles andere ist Selbstbetrug.

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