Serap Güler: : „Und keiner hat gesagt, das ist uns zu viel“

Sie zeigt, dass ausgerechnet die Konservativen entschlossen scheinen, Schwarz-Rot-Blond als Leitbild abzulösen. Ein Porträt der CDU-Politikerin Serap Güler

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Foto: cdu
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Die alte Verbindung bröckelt“ schrieb kürzlich die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ über eine SPD, die jahrzehntelang die natürliche Heimat türkischer Deutscher zu sein schien. Gut möglich, dass sie nach dieser Woche noch ein bisschen schneller bröckelt. Denn während die SPD es nicht schaffte, sich von einem prominenten Parteimitglied zu trennen, das Migranten für das Ende Deutschlands hält, hat sich die christdemokratische Konkurrenz eine Führungsriege gewählt, die zu zehn Prozent aus „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ besteht.

Eine jener vier von vierzig Bundesvorstandsmitgliedern ist Serap Güler. Die 32-Jährige aus Marl hat in und mit der Union eine Blitzkarriere hingelegt, die vielleicht am deutlichsten zeigt, dass ausgerechnet die Konservativen entschlossen scheinen, Schwarz-Rot-Blond als Leitbild abzulösen. Die gelernte Hotelfachfrau und studierte Germanistin war – bis zum Regierungswechsel 2010 – Pressereferentin für Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) und kam im Mai über die CDU-Landesliste in den Landtag. Wahlkampf hatte sie auf verlorenem Posten in einem traditionell roten Wahlkreis gemacht. Dass sie jetzt im Bundesvorstand ist, will sie, wie sie sagt, „gar nicht so hochhängen“. Schließlich sei dort schon seit acht Jahren eine erfahrene Politikerin wie die Berlinerin Emine Demirbüken-Wegner vertreten.

Interessant sei aber doch, dass nun gleich vier Köpfe aus migrantischen Communitys in den Vorstand gewählt wurden. Mit ihr, die 74,5 Prozent erhielt, und Demirbüken-Wegner sitzen dort nun auch die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan und Younes Ouaquasse aus der Jungen Union. „Und keiner hat gesagt, das ist uns zu viel.“ Da sei die Partei offenbar weiter als Teile der Medien, die das mit Erstaunen zur Kenntnis nähmen. „Alle haben wir gute und vorzeigbare Ergebnisse bekommen, daran kann man doch sehen, dass alle das mittragen und da nichts durchgezogen werden musste.“ Die CDU wisse eben als Volkspartei, dass sie die Bevölkerung repräsentieren muss.

Dafür steht Güler noch in anderer Weise. Gerade hat eine OECD-Studie moniert, dass im deutschen öffentlichen Dienst viel zu wenige Migranten seien. Familie Güler schafft da längst Abhilfe: Ihr Mann, der aus einer aserbaidschanischen Familie stammt, arbeitet im Bundesgesundheitsministerium. Und ist wie seine Frau Beamter. Andrea Dernbach

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