Serena Williams: : „Das Alter ist nur eine Zahl“

Sie hat den Kampf nie aufgegeben. Nun ist Serena Williams - als älteste Spielerin bisher - wieder die Nummer 1 im Tennis. Ein Porträt

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Es gibt nicht viele Momente, in denen man tatsächlich glaubt, das wahre Gesicht von Serena Williams zu erkennen. Zu sehr liebt die Amerikanerin den großen Auftritt, sei es auf dem Tennisplatz oder im Gespräch mit den Medien. Alles ist immer Show und Drama, und ob lachen oder weinen, ob Wutausbruch oder Siegesrausch, es wirkt meist inszeniert. Nicht umsonst betont Williams stets, ihre wahre Berufung sei eigentlich die Schauspielerei. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Venus sondert sie sich von jeher vom Rest der Konkurrentinnen auf der Tour ab, und so umweht sie eine Unnahbarkeit, die die bedrohliche Aura der 15-maligen Grand- Slam-Siegerin noch verstärkt.

Am Freitag jedoch, als Williams das Viertelfinale von Doha gewann, liefen ihr Freudentränen übers Gesicht. Diesmal schienen sie echt: Williams wusste, dass sie mit dem Sieg am heutigen Montag an die Spitze der Weltrangliste zurückkehren würde – mit 31 Jahren, 4 Monaten und 24 Tagen als älteste Spielerin seit Einführung der Computerweltrangliste im Jahr 1975.

„Ich musste so viel durchmachen“, sagte sie, „ich hätte nie geglaubt, dass ich dort noch einmal stehen würde.“ Ganz die Wahrheit war das nicht, denn ihr unbändiger Wille ist berüchtigt und Williams hatte ständig beteuert, dass ihr das Ranking völlig egal sei, denn: „Ich glaube sowieso immer, dass ich die Beste bin und gewinnen werde.“ Vor elf Jahren war Williams zum ersten Mal die Nummer eins der Welt gewesen, für mehr als ein Jahr. Insgesamt ist Williams nun zum sechsten Mal und für nunmehr 124 Wochen die Beste der Besten, obwohl sie gefühlt schon sehr viel länger insgeheim die Regentin des Damentennis ist.

Würde sie nicht kategorisch weit weniger Turniere pro Saison spielen als die Gegnerinnen, und hätte sie nicht viele schwere Verletzungen und Krankheiten erlitten – um die sich mitunter wilde Gerüchte ranken –, wäre Williams längst auf den Thron zurückgekehrt. Denn ist sie austrainiert, spielt sie mit ihrem brachialen Powertennis in einer eigenen Liga. Allein im vergangenen halben Jahr triumphierte Williams in Wimbledon und bei den US-Open, holte dazwischen olympisches Gold, und bis zu den Australian Open im Januar hatte sie 35 der letzten 36 Partien gewonnen. „Ich habe nie 30 Turniere im Jahr gespielt, so bin ich noch nicht ausgebrannt“, sagt sie, „ich fühle mich wie 22 – das Alter ist nur eine Zahl.“ Petra Philippsen

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