Sicherheitspolitik : Die NATO-Raketenabwehr ist unverzichtbar

27.06.2012 15:18 UhrVon Svenja Sinjen
Putin contra Obama: Die Nato-Raketenabwehr ist zwischen Russland und den USA umstritten. Foto: dpa
Putin contra Obama: Die Nato-Raketenabwehr ist zwischen Russland und den USA umstritten. - Foto: dpa

Der Fall Syrien zeigt, wie schnell Situationen eskalieren können. Syrien verfügt bereits über Kurzstreckenraketen, die die Türkei erreichen können. Die Nato-Raketenabwehr ist dringend notwendig, meint unsere Gastautorin - notfalls auch gegen russischen Widerstand.

Braucht die Nato tatsächlich ein Raketenabwehrsystem zur Verteidigung des Bündnisgebiets? Sollen sich die Europäer an diesem Projekt maßgeblich beteiligen? Und sollte ein solches Projekt gegen russische Widerstände durchgesetzt werde? Die Antworten sind drei Mal Ja.

Warum werden diese Fragen also erneut gestellt? Weil immer noch der breite Konsens fehlt, der dem Nato-Projekt seine langfristige Zukunft sichert. Kritiker stellen den Nutzen eines Raketenabwehrsystems in Frage und bemängeln, dass auch eine Raketenabwehr keine hundertprozentige Sicherheit bieten kann.

Sie weisen darauf hin, dass Massenvernichtungswaffen auch auf anderem Wege als mit Raketen ausgebracht werden können und dass die Technologie mit Problemen behaftet sei. Das ist alles richtig – und geht dennoch am Kern der Diskussion vorbei, die wir heute führen müssten.

Bildergalerie: Syrien schießt türkischen Jet ab

Es ist richtig, dass Raketenabwehr keine hundertprozentige Sicherheit bietet – aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nie. Wenn der Einschlag einer einzigen Rakete auf Nato-Territorium verhindert werden kann, hat Raketenabwehr ihren Nutzen bewiesen. Genauso stimmt, dass Massenvernichtungswaffen auch über andere Wege als mit Raketen ausgebracht werden können – aber lässt man die Tür offen, nur weil der Dieb auch durch das Fenster einsteigen könnte? Und ja, wie bei jeder komplexen technologischen Entwicklung gibt es auch bei der Raketenabwehr Probleme. Solange diese aber den Gesetzmäßigkeiten der Physik folgen, können sie gelöst werden.

Was spricht also für eine Raketenabwehr? Der erste Grund ist die fortwährende Bedrohung durch ballistische Raketen und Massenvernichtungswaffen. Der Fall Syrien zeigt, wie schnell Situationen eskalieren können. Syrien verfügt bereits über Kurzstreckenraketen, die die Türkei erreichen können. Bereits seit Jahren definiert die Nato die Weiterverbreitung ballistischer Raketen und Massenvernichtungswaffen neben dem Terrorismus als größte Gefahr für die Sicherheit ihrer Mitglieder. Eine Gefahr, die immer komplexer wird. Mittlerweile besitzen oder entwickeln 20 bis 30 Staaten Raketen, deren einziger militärischer Nutzen im Transport von Massenvernichtungswaffen liegt. Sie sind nicht nur mobiler, zielgenauer und überlebensfähiger geworden, sondern haben auch höhere Reichweiten. 

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