Silvana Koch-Mehrin : Warten und bangen

Silvana Koch-Mehrin, eine Frau Guttenberg? Noch nicht, zumal die FDP-Politikerin zumindest gelegentlich in der Nähe genutzter Fremdgedanken eine Fußnote ansiedelte. Doch auch Guttenbergs Fall hatte klein begonnen.

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Unter Druck: Silvana Koch-Mehrin, Europaabgeordnete der FDP.
Unter Druck: Silvana Koch-Mehrin, Europaabgeordnete der FDP.Foto: dapd

So hält es, wer in turbulenten Zeiten politischen Kurs- und Personalwechsels vorne dabei bleiben will. Man sagt: Der Stil, in dem hier diskutiert wird, gefällt mir nicht, ich fordere Anstand. Anstand ist immer gut, Stil auch, und deshalb redet jemand so, der Haltung zeigen, aber keine eigene Position riskieren will. Ihre geschickte Übergangsrhetorik im FDP-Machtkampf hatte die zur Westerwelle-Entourage zählende Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin in der neuen Rösler-Zeit auf einen Anwärterposten für das Parteivizeamt befördert. Nun reicht es nicht, doch bleiben ihr Präsidium und Bundesvorstand – und der Status als Hoffungsträgerin.

Um Stil und Anstand, das wissen seit Guttenberg sogar Nichtpromovierte, geht es – neben anderem – bei der Verfertigung von Doktorarbeiten. Die von Koch-Mehrin heißt: „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik: die Lateinische Münzunion 1865–1927“. Internet-Plagiatsjäger wollen faule Stellen ausgemacht haben, bislang auf über 20 Seiten. Die Uni Heidelberg hat sich der Sache bereits angenommen.

Eine Frau Guttenberg? Noch nicht, zumal Koch-Mehrin jedenfalls gelegentlich in der Nähe genutzter Fremdgedanken eine Fußnote ansiedelte. Doch auch Guttenbergs Fall hatte klein begonnen. Die Netzgemeinde auf „Vroniplag“, die sich zunächst auf die Dissertation von Edmund Stoibers Tochter stürzte, hat sich nun ein lohnenderes Objekt vorgenommen. Stoibers Kind ist herzlich unprominent, die Dissertation eine Angelegenheit zwischen der Uni und ihr, keine für die Öffentlichkeit. Anders Koch-Mehrin. Sie selbst schweigt zu allem, was zeigt, wie ernst sie es nimmt.

Sie muss es auch, denn einer ihrer größten Feinde ist, wie bei Guttenberg, der Neid anderer, gekoppelt mit dem eigenen Laster, ihn stetig anfachen zu müssen. Guttenberg schmiss sich auf dem Times Square in Angeberpose, Koch-Mehrin strahlte mit Schwangerschaftsbauch aus der Illustrierten. Schöne Haare, schöne Gesichter, schöne Töchter, glückliche Ehen und Erfolg im Beruf, hier ein alter Adelstitel, dort immerhin ein Vorname, der schillert – insgesamt ein Glanz, den der gern ausgestellte Doktor richtig zum Leuchten bringen sollte. Alles qualifiziert dazu, den Hämefaktor hochzuschrauben, die Situation der FDP tut ein Übriges. Nun wird sie warten und bangen. Guttenberg hatte die Latte erst gerissen, dann hochgelegt. Drunter durch kann keiner mehr.

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