Staatsanwalt will ermitteln : Christian Wulff: Die verlorene Präsidentschaft

Jetzt geht es nicht mehr um Zähigkeit. Und schon gar nicht um Selbstfindung. Nie wurde der Bundestag von einem Bundespräsidenten in die peinliche Lage gebracht, über dessen Immunität zu entscheiden. Will Christian Wulff tatsächlich der erste sein?

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Die Staatsanwaltschaft will gegen Christian Wulff ermitteln.
Die Staatsanwaltschaft will gegen Christian Wulff ermitteln.Foto: dapd

Es hätte etwas daraus werden können. Es hätte eine Präsidentschaft zum beiderseitigen Vorteil werden können: von Christian Wulff und der Bundesrepublik Deutschland. Nun, das ist vorbei. So viel ist sicher.

Wulff ist zäh. Ist ein Kämpfer. Einer, der schon oft Nackenschläge eingesteckt hat. Und, hat er sich nicht durchgesetzt? Ja, das alles stimmt. Nur geht es in diesem Fall nicht um diese Fähigkeit, nicht um seine Zähigkeit. Es geht auch nicht darum, sich festzusetzen im Amt.

Das ist nicht der Posten eines Ministerpräsidenten, aus dem Wulff kommt. Der Posten ist parteipolitisch immer umkämpft, das Aushalten und Durchhalten gehört hier inzwischen zu den politischen Tugenden. Der Ministerpräsident ist auch immer mehr Chef der Minister als Präsident, die Anteile der Repräsentation machen nicht das Ganze aus, und immer ist der Regierungschef der Erste der Exekutive. Das Amt ist ein operatives. Und es ist in der Republik nicht singulär.

Die Staatsanwaltschaft beantragt die Aufhebung der Immunität Wulffs - wie Politiker reagieren, zeigt unsere Bildergalerie:

Die Causa Wulff
Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das Büro mit Mitarbeitern geht.Weitere Bilder anzeigen
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04.03.2012 21:00Christian Wulff sorgt auch nach seinem Rücktritt immer wieder für Schlagzeilen: zum Beispiel wenn es um sein Ehrensold oder das...

Der Bundespräsident dagegen ist es. Die Republik hat nur den einen, sie wählt ihn anders als jeden anderen. Und nach der Konkurrenz kommt der Konsens. Der Bundespräsident soll, einmal im Amt, überparteilich wirken, ausgleichend auch. Und seine Haltung soll, im besten Fall, die des Landes widerspiegeln und zugleich prägen. Im schlechtesten Fall muss er Haltung zeigen. Um sich nicht zu verlieren und die Würde des Amtes nicht vollends zu beschädigen.

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