Stephan Ackermann : „Kein Guantanamo für kirchliche Täter“

Als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz soll Stephan Ackermann die Täter aus dem Verkehr ziehen. Nun muss sich der Bischof von Trier rechtfertigen. Ein Porträt.

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Foto: dapd
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Im April veranstaltet das Bistum Trier die Heilig-Rock-Wallfahrt. Es geht um die Tunika von Jesus Christus, die angeblich vor 1000 Jahren in den Hochaltar des Trierer Doms eingemauert wurde. Hunderttausende Pilger kommen, hochkarätige Besucher aus Rom, es gibt Symposien und plötzlich ist das Bistum am Saum der Republik wichtig.

Und jetzt das: Der „Spiegel“ berichtet in seiner aktuellen Ausgabe, dass es der Trierer Bischof Stephan Ackermann nicht ganz so ernst nehme mit der von ihm beschworenen „Null-Toleranz-Linie“ beim Schutz von Kindern vor pädophilen Priestern. Sechs wegen Missbrauchs verurteilte oder verdächtigte Priester dürfen weiterhin als Aushilfspfarrer in saarländischen Gemeinden oder als Seelsorger in Altenheimen und Krankenhäusern arbeiten. Opferinitiativen sind empört, Kirchenmitarbeiter sauer.

Ackermann ist seit zwei Jahren der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz. Er ist 49 Jahre alt, traut sich auch mal eine Spitze gegen Rom und wirkt durch seine saarländische Färbung im Ton zugänglicher als andere Herrschaften in der Bischofskonferenz. Viele haben ihm seine Rolle als Aufklärer bisher abgenommen. Vor einer Woche hat er eine eigene Fachstelle für die Prävention in seinem Bistum eingesetzt. Selbstverständlich ist das nicht.

Aber was heißt Prävention? Im Krankenhaus kann ein pädophiler Priester auch mit Jugendlichen in Kontakt kommen, wenn er es darauf anlegt. Und die Senioren im Altersheim werden von Enkeln besucht. „Ein Guantanamo für Täter gibt es nicht“, sagte Ackermann. Die Leitlinien der Bischofskonferenz sehen vor, dass die Täter nicht mehr in der Jugendarbeit eingesetzt werden dürfen. Die weitere Tätigkeit hängt von forensischen Gutachten ab. Solche Gutachten gebe es für die Fälle, die nun für Aufruhr im Bistum sorgen, sagt das Bistum. Die Gutachten rechtfertigten ihre weitere Beschäftigung. Formal hat der Bischof vermutlich nichts falsch gemacht. Und doch befremdet die Pressemitteilung des  Bistums vom Sonntag, in der vor allem steht: Ackermann macht alles richtig. „Bei allem, was wir tun, muss es um die Interessen der Opfer gehen. Früher haben wir versucht, den Ruf der Kirche zu schützen, indem wir die Täter zu sehr geschützt haben. Besteht nicht die Gefahr, dass wir jetzt auch wieder vor allem auf unser Image schauen?“ Das hat sich Ackermann vor zwei Jahren gefragt. Es bleibt eine gute Frage. Claudia Keller

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