Steuerhinterziehung : Alice Schwarzer wittert eine Kampagne gegen sich

Alice Schwarzer hatte ein Konto in der Schweiz und beging Steuerbetrug. Jetzt mutmaßt sie, dass man ihr politisch schaden wollte - und beklagt eine Kampagne gegen sich. Das zeigt: Wenn es um sie selbst geht, gibt sich die Feministin allzu zart besaitet.

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Alice Schwarzer soll Selbstanzeige erstattet haben.
Alice Schwarzer soll Selbstanzeige erstattet haben.Foto: dpa

„Präzedenzfall Schwarzer“, „Rufmord“, „Dammbruch“, ja sogar „Hexenjagd“: Wenn die Königin des deutschen Feminismus ins Rampenlicht tritt, dann muss dahinter eine politische Verschwörung des Bösen stecken. Finstere Mächte, die der Vorkämpferin für das Gute den letzten und entscheidenden Schlag verpassen wollen. Denn das Private ist politisch. Ja, was denn sonst!

Das Private von Alice Schwarzer begann am Sonntag mit einem Geständnis, dessen Inhalt für eine Intellektuelle, die von vielen Menschen im Land als moralische Instanz angesehen wird, kaum hätte schlimmer sein können: „Ja, ich hatte ein Konto in der Schweiz“, schreibt Schwarzer auf ihrer Homepage und gesteht dann, dass sie „seit Jahrzehnten“ Geld auf dieses Konto überwiesen, dessen Existenz aber dem deutschen Fiskus verschwiegen habe. Steuern auf die Zinsen hat Schwarzer demnach jahrzehntelang nicht bezahlt.

Voriges Jahr mag es Schwarzer zu heiß geworden sein, andauernde Berichte über den Ankauf von Steuer- CDs, der Fall Hoeneß: Deutschlands Vorzeigefeministin zeigte sich beim Finanzamt an, zahlte für zehn Jahre 200000 Euro Steuern und Zinsen nach und sagt: „Das Konto war ein Fehler. Den bedaure ich jetzt.“

Doch Alice Schwarzer wäre nicht Alice Schwarzer, ließe sie es beim Eingeständnis eines Fehlers bewenden. Die Frau, die Jörg Kachelmann öffentlich noch einen Vergewaltiger nannte, als das Gericht den Wettermann schon nicht mehr rechtlich belangte, die ihre Nachfolgerin an der Spitze der Zeitschrift „Emma“ öffentlich der Unfähigkeit bezichtigte und auch sonst das scharfe rhetorische Schwert gegen niemanden scheut, gibt sich zart besaitet, wenn es um ihr eigenes Leben geht und die Frage, was Geld und Moral miteinander zu tun haben. Ausführlich beklagt sie „Denunziation“ und „Rufschädigung“. Sie habe gestanden und gezahlt und fordere nun „das Recht auf Privatsphäre und das Steuergeheimnis“ für sich.

Dass der „Spiegel“ nun über ihre jahrelange Steuerhinterziehung berichtet habe, sei „illegal“, meint Schwarzer. Und damit nicht genug: Sie mutmaßt, dass man ihre Kampagne gegen Prostitution habe diffamieren wollen oder sonst wie auf Rache zielte. Warum sie Steuern hinterzogen hat? Angeblich befürchtete sie, wegen der „Hatz“ auf sie irgendwann ins Ausland gehen zu müssen. Und da war es ihr wohl eine „Beruhigung“ zu wissen, dass dort ein größeres Sümmchen liegt.

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