Streit um Smartphone-App Uber : Das Taxigewerbe gerät unter Druck - zu Recht

Europaweit waren heute tausende Taxifahrer im Streik. Die Branche fürchtet die Konkurrenz von privaten Fahrern, die ihre Kunden über Smartphone-Apps vermittelt bekommen und fordert ein Verbot. Doch dafür gibt es keinen Grund, meint unser Autor.

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Neue Apps machen Privatleute zu Taxifahrern. Die Branche geht dagegen auf die Barrikaden.
Neue Apps machen Privatleute zu Taxifahrern. Die Branche geht dagegen auf die Barrikaden.Foto: dpa

In Madrid war am Mittwoch praktisch kein Taxi auf der Straße. Streik. In Paris verursachten protestierende Taxifahrer, die im Schneckentempo durch die Innenstadt fuhren, Staus mit einer Gesamtlänge von über 250 Kilometern. In Berlin sammelten sich 1000 Taxis zur Protestfahrt. Es ist das Aufbäumen einer Branche, die Angst hat – und sie fürchtet sich zu Recht.

Etwas mehr als 50 000 Taxis sind in Deutschland zugelassen. Bisher mussten sie um Marktanteile nur untereinander kämpfen. Nun, so die Befürchtung, könnte jeder, der ein Auto hat, zum Konkurrenten werden. Smartphone-Apps wie Wundercar in Hamburg oder das US-amerikanische Start-up Uber, das nun in Berlin Fuß fassen will, machen es möglich. In der Theorie bringt das Programm Menschen, die mit dem Auto unterwegs sind und solche, die eine Fahrt suchen, einfach zueinander. Die Unternehmen kassieren für die Vermittlung 20 Prozent des Fahrpreises, die Kunden zahlen deutlich weniger als für eine reguläre Fahrt. Das ist auf den ersten Blick gut für die Kunden, sogar gut für die Fahrer, die bei diesem Modell mehr verdienen dürften als die durchschnittlich 6,50 Euro pro Stunde, die man als Taxifahrer laut Deutschem Taxiverband verdient.

Nur eben nicht gut für ein Gewerbe, das sich jahrzehntelang gut geschützt von einem Wust aus Paragrafen – vom Personenbeförderungsgesetz bis zur Taxiordnung – selbst die Wettbewerbsfähigkeit genommen hat. Ja, eine Branche, die wie in Berlin „freundliche Fahrer“ und „saubere Autos“ als extra Premiumangebot ausweist, muss sich wahrlich wegen jedes potenziellen Konkurrenten Sorgen machen.
Dabei weisen die App-Angebote Mängel auf. Fahrgäste sind anders als bei einer Taxifahrt nicht automatisch versichert. Bei einem Unfall bleibt der Passagier im schlimmsten Fall auf den Kosten sitzen. Auch wie die Fahrer eigentlich überprüft werden, ist bei den App-Anbietern völlig unklar. Geschweige denn, wer die Verkehrstauglichkeit der Wagen checkt.

Zudem müssen die App-Fahrer anders als Taxifahrer nicht jeden mitnehmen. Eine Beförderungspflicht gibt es nicht. Bei Regen oder Großveranstaltungen ist die Nachfrage nach Taxis höher, in der App steigt dann der Preis. Am Ende könnte man sich also gerade dann kein Taxi mehr leisten, wenn man es am dringendsten benötigt.

All das sind gute Gründe, die Apps nicht zu benutzen. Es sind jedoch keine Gründe dafür, die Apps gesetzlich zu verbieten, wie von der Taxiinnung gefordert.

Zwar sperren sich die Taxiunternehmen beharrlich gegen den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro für ihre Fahrer, tritt aber ein Mitbewerber auf den Plan, schreien sie ihrerseits nach staatlicher Regulierung.

Die gute Nachricht für die Taxifahrer, die derzeit noch demonstrieren, ist, dass sie künftig Auswahl haben. Die Befürchtung, dass gelangweilte Köche und Obstbauern nach Feierabend den Taxifahrern den Job streitig machen, ist von den Taxiunternehmen vorgeschoben. Vielmehr werden sich professionelle Fahrer überlegen, in welchem Modell sie lieber arbeiten wollen. Ob im klassischen Taxifunk oder von einer App vermittelt. Dass sich dort ein Schattenmarkt etabliert, glaubt nur, wer auch glaubt, dass der Fiskus die Unternehmen gewähren lässt, ohne sich ein großes Stück vom Erfolg von Uber und Co. zu sichern.

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