Thomas Oppermann : „Das war die Strategie der Nazis“

Aus der Linken heißt es, Joachim Gauck sei ein "widerlicher Kriegshetzer". Thomas Oppermann hält dagegen: Der Bundespräsident werde geschmäht, wie es die Nazis mit Reichspräsident Friedrich Ebert taten. Das ist ein zu lautes Wort, ein zu großer Vergleich.

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Thomas Oppermann, SPD-Fraktionsvorsitzender Foto: dpa
Thomas Oppermann, SPD-FraktionsvorsitzenderFoto: dpa

Ich denk, mich tritt ein Pferd, diese umgangssprachliche Äußerung, berühmt geworden durch den vormaligen Spitzengenossen Hans Apel – die passt ziemlich genau auf den heutigen Spitzengenossen Thomas Oppermann. Denn der Fraktionschef der SPD im Bundestag, vor 60 Jahren geboren in Freckenhorst, das zur deutschen Pferdestadt Warendorf gehört, kann ganz schön auskeilen. Besonders hat das seinerzeit die Bundeskanzlerin gemerkt, als sie noch auf der, sagen wir, rechten Seite stand und mit den Blau-Gelben in der Regierung war.

Zimperlich ist Oppermann nicht, und er hat keine Angst, sich mit den Großen in der Politik anzulegen. Zum Beispiel in Sachen NSA war das so. Der Fraktionschef, vorher Fraktionsgeschäftsführer, ist Jurist, da weiß er, wie weit er gehen kann; also wie weit, ohne belangt zu werden. Außerdem nimmt Oppermann für sich in Anspruch, seine Haltung in eben dem NSA- Skandal nie geändert und nie Asyl für Snowden gefordert zu haben.

Inzwischen aber verteidigt der SPD-Mann, der gerne Minister für Inneres geworden wäre, die große Koalition so hart, wie er die Union vorher attackiert hat. Die Wende ist bruchlos. Heute geht er, der selber nie ein strammer Linker war, die Linke stramm an, zuletzt in der Haushaltsdebatte des Bundestags. als er ihr vorwarf, Bundespräsident Joachim Gauck zu schmähen wie weiland die Nazis Reichspräsident Friedrich Ebert. Also, um korrekt zu sein: Er wollte es so nicht gemeint haben, nicht als Analogie Nazi–Linkspartei. Bloß blieb der Eindruck: Er hat es so gemeint. Der Bundestagspräsident griff nicht ein. Und Gregor Gysi, der sich für die Linke wehrte, verhallte.

So wie das eine haften bleibt, kann das mit dem anderen allerdings auch noch passieren: Oppermann als Mann der zu lauten Worte, zu großen Vergleiche. Dabei wirkt er auf viele ohne Dünkel, ohne Überlegenheitsgehabe, ausgeglichen. Das kann auch sein. Andererseits steht er immer noch unter Beobachtung, bei der Union sowieso, seitdem Hans-Peter Friedrich in der Edathy-Affäre sein Amt als Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft verlor. Daran gibt die CSU vor allem Oppermann die Schuld. Danach hat aber auch mancher in der SPD hinter vorgehaltener Hand kritische Worte über Oppermann gefunden, über Ehrgeiz und Selbstbewusstsein und dass er in der Fraktion nicht immer beliebt gewesen sei. Jetzt hat er sich bei vielen in der Koalition, auch vielen auf der Rechten, bestimmt beliebter gemacht.

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