Urheberrecht : Das Leistungsschutzrecht nutzt langfristig allen

Auch in den kurzen Textschnipseln, die Google in den Suchergebnissen anzeigt, steckt eine journalistische Leistung. Das Unternehmen weigert sich, das anzuerkennen - und schädigt damit auch seine eigenen Interessen.

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Google macht mit einer Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht mobil.
Google macht mit einer Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht mobil.Foto: Reuters

Man kann mit wenigen Worten einiges sagen, etwa dies: „In der Debatte um das Leistungsschutzrecht tarnt Google die eigenen Geschäftsinteressen als Allgemeinwohl. Der Konzern fürchtet um sein...“

Wer mehr wissen möchte, kann klicken, der Textauszug ist Ergebnis einer Google-Suche, der Link führt auf die Seite der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Der Text macht dreierlei deutlich: Erstens, wie man mit einem Satz die Wahrheit über die millionenschwere Kampagne des Suchmaschinenkonzerns auf den Punkt bringt. Zweitens, dass diese Einsicht einem unabhängigen Journalismus zu danken ist, und drittens, dass es deshalb weder verwerflich noch unzeitgemäß sein kann, für die Nutzung sogenannter „Snippets“, also Anreißertexte, honoriert werden zu wollen. Es steckt eine Leistung darin, es entsteht Neugier und Aufmerksamkeit. In der Werbewirtschaft bedeutet das Geld.

Google kämpft gegen eine Änderung des Urheberrechts, die Verleger wünschen sie sich. Letztere hatten entschieden, dem Netz journalistische Arbeiten vorerst kostenlos zu überlassen. Ein Fehler vielleicht, Google und andere nutzten ihn und machten ein Geschäftsmodell daraus. Jetzt wollen die Verleger einen Anteil. Weder ist damit die Netzfreiheit in Gefahr, noch die Erträge von Google. Im Gegenteil, ein fairer Deal stützt die Geschäfte von Newsportalen und erhält den Informationsreichtum. Natürlich haben die Verlage Interesse daran, dass auf ihre Produkte verwiesen wird. Aber Google macht eben doch mehr als bloß einen Link zu setzen, ohne den Produkten einen eigenen Mehrwert hinzuzufügen.

Mit einer Lizenzgebühr ist kein Verleger gerettet. Ihnen geht es darum, überhaupt einmal als Vertragspartner auftreten zu können statt als Bittsteller. Das Schutzrecht ist für sie mehr ein symbolischer Akt als die Korrektur eines Marktversagens. Ein Motiv dürfte zudem das schlechte Politikergewissen sein, den gebührenfinanzierten Rundfunk rücksichtslos ins Netz expandieren zu lassen. Sollte den Netzideologen wirklich an Freiheit und Vielfalt gelegen sein, hier wäre mal eine echte Grenze zu verteidigen. Stattdessen schalten sie ihr rhetorisches Gebläse für die Gewinnmaximierung eines Weltkonzerns ein.

Auch ohne eine freie Presse würde die Erde um die Sonne kreisen, das Internet wäre eine feine Sache und Google ein glänzendes Geschäft. Das Unternehmen würde sich seine Nachrichten selber machen. Wer das dann noch liest, ist sowieso egal.

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