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Urteil zur Beschneidung : Religiöse Selbstbestimmung ist ein hoher Wert

28.06.2012 00:00 Uhrvon
Eine jüdische Beschneidungszeremonie in Budapest. Foto: dpaBild vergrößern
Eine jüdische Beschneidungszeremonie in Budapest. - Foto: dpa

Das Kölner Landgericht erklärt Beschneidungen von Kindern für strafbar. Das Urteil ist realitätsfern, meint Malte Lehming. Und es könnte verheerende Folgen haben für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft.

Das Grundrecht auf eine ungestörte Religionsausübung ist ein Menschenrecht. Auch Amerikaner kämpfen für dieses Recht, weil es ihrem Freiheitsverständnis und ihrer Gründungsgeschichte entspricht. Sie stellen es im Zweifel sogar über andere Werte und Ziele, wie etwa die staatliche Drogenbekämpfung.

Am 21. Februar 2006 fällte das Oberste US-Verfassungsgericht ein bedeutsames Urteil. Es ging um den Fall „Gonzales versus O Centro Espirita Beneficiente Uniao Do Vegetal“. Das ist eine Religionsgemeinschaft, zu deren Riten es gehört, einen halluzinogenen Tee zu trinken. Der nennt sich „hoasca“ und besteht aus Pflanzen, die in Brasilien wachsen.

Deren Wirkstoff DMT indes fällt unter das Betäubungsmittelgesetz und ist an sich streng verboten. Religionsfreiheit kontra Drogenmissbrauch – was tun? Das mehrheitlich konservative Gericht entschied einstimmig, dass der „Religious Freedom Restoration Act“ stärker zu gewichten sei als das Drogenverbot. Seitdem darf der Hoasca-Tee offiziell getrunken werden.

„Jeder Mensch hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“, heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. „Dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst oder die Vollziehung von Riten zu bekunden.“

Wird damit auch das Recht umfasst, einem neugeborenem männlichen Baby die Vorhaut abschneiden zu lassen? Das Landgericht Köln hat dies verneint. Es wertete das Grundrecht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit höher als das Recht der Eltern auf eine ungestörte Religionsausübung, wie sie zum Beispiel die Tora den Juden gebietet. Genesis 17: „Das aber ist mein Bund, den ihr halten sollt zwischen mir und euch und deinem Geschlecht nach dir: Alles, was männlich ist unter euch, soll beschnitten werden; eure Vorhaut sollt ihr beschneiden.“ In keinem Land der Welt sind Beschneidungen verboten. Das Kölner Urteil bildet in dieser Beziehung eine Ausnahme. Auch im Islam gehört das Beschneiden fest zur Tradition. Drei Viertel der amerikanischen Männer sind ebenfalls beschnitten, weltweit ist es jeder dritte.

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