Meinung : Verkehrsplaner bringen Radler in Gefahr

„Volle Fahrt in den Frust“

von Stefan Jacobs vom 7. November

Derartige Fahrrad-Selbstversuche mache ich arbeitswegbedingt wie viele andere schon seit Jahren. Aber müssen Radfahrer nicht glücklich sein, wenn ständig neu weiße Farbe auf den Asphalt gekippt wird, Ordnungshüter immerzu „in pflichtgemäßem Ermessen“ handeln und die Neudefinition des Winterdienstes in der Novelle des Straßenreinigungsgesetzes zumindest suggeriert, dass man sich die richtigen Gedanken gemacht hat? Und wir das ganze dann „Fahrradstadt Berlin“ nennen dürfen? Das alles nützt gar nichts, wenn niemand dafür sorgt, dass diese Wege danach auch benutzbar bleiben. Mich wundert es jedenfalls nicht (auch wenn ich es nicht gutheiße), wenn überlebenswillige Radfahrer sich ihre Wege täglich neu suchen. Auch wenn sie dann dort nichts zu suchen haben und somit neue Konflikte heraufbeschwören.

Uwe Borgenhagen, Berlin-Rudow

Ich vermisse im Straßenbild Hinweise auf die Gefährdung von Radfahrern. Tausende von Wall-Reklametafeln könnten auch mal etwas über Rücksicht auf Radfahrer zeigen. Aber diese Tafeln versperren sogar die Sicht. In Frankreich habe ich ein Schild entdeckt, das unseren Schilderwald sinnvoll ergänzen würde. Darauf wird daran erinnert, den Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen Autos und Radfahrern einzuhalten.

Rainer Friedrichowitz,

Berlin-Grunewald

Mut haben Sie schon, Kreuzberg auf der Skalitzer und Gitschiner Straße zu durchqueren. Ich denke, ein Blick in einschlägige Radkarten hätte genügt, und Sie hätten eine wunderbare Alternativroute über die Köpenicker- und Heinrich- Heine-Straße gefunden. Hier gibt es keine gefährlichen Radwege, da der Radverkehr auf den Angebotsstreifen geführt wird. Dadurch ist der Radler immer im Blickfeld der Autofahrer, und deshalb vor Rechtsabbiegern besser geschützt, was ich eigener Erfahrung durchaus bestätigen kann. Aber leider gibt es noch viel zu wenige durchgehende Angebotsstreifen für den Radverkehr, so dass es immer wieder zu Eskalationen verbaler Art zwischen den Verkehrsteilnehmern kommt. Leider trägt das provokative und gesetzwidrige Verhalten mancher Radler auch dazu bei. Andererseits ist vielen Autofahrern nicht bewusst, dass viele der früher angelegten Radwege gar nicht mehr benutzungspflichtig sind. Das fehlende Zeichen wird wohl von den Autofahrern gar nicht registriert, weshalb auch, betrifft sie ja nicht.

Dr. Heinrich Michel, Berlin-Spandau

Nach einem halben Jahr an Erfahrungen im Selbstversuch kann ich die Feststellungendes Autors nur teilen: Konflikte auf der Straße nehmen zu und werden teilweise durch gravierende Mängel in der Verkehrsplanung noch verschärft. Hätte ich täglich meine auf der Strecke bemerkten Gefährdungen etc. so akribisch festhalten wollen wie Ihr Autor, wäre mit dem Schreiben dieser Mängelliste wohl das größte Stück der für mich aus der Fahrradnutzung gewonnenen Wegezeit wieder verronnen … Seine trotz Frust am Ende doch sachliche Bilanz halte ich für hilfreich: Eine ausschließlich am Konflikt „schuldige“ Gruppe im Straßenverkehr gibt es nicht. Hilfreich ist es da allemal, wenn versucht wird, den Blick dafür zu öffnen, dass zu einem gedeihlichen Miteinander im Straßenverkehr eben alle Gruppen (einschl. der Verkehrsplaner) ihren Beitrag leisten müssen.

Joachim Ziegler, Berlin-Marienfelde

Was in ihrem Artikel berichtet wird, entspricht den eigenen Erfahrungen als Radfahrerin. Ich bin zu der Einsicht gekommen, dass hier ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb stattfindet. Dieser endet dann beim schwächsten Glied im Straßenverkehr, dem Fußgänger!

Petra Lutz, Berlin-Lichterfelde

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