Vier Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Die USA haben sich bei der Spionage erwischen lassen - und die Kurden im Irak sollten sich mit der Staatsgründung noch Zeit lassen.

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"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.
"Zeit"-Herausgeber Josef Joffe.Foto: promo

NSA-Debatte ohne Ende – warum?

Na, weil jetzt offenbar ein richtiger Spion gefasst worden ist, der nicht wie die NSA-Computer bloß „Metadaten“ (also nichts Substanzielles) gesammelt hat. Bei Spionage unter Freunden gilt: „Lass dich nie erwischen.“ Das ist total peinlich. Anders bei Gegnern, wo Aufgeflogene einen hohen Nutzwert haben, können sie doch (siehe Glienicker Brücke im Kalten Krieg) gegen die eigenen Agenten ausgetauscht werden. In der jüngsten Affäre könnten die Amerikaner auf mildernde Umstände plädieren, weil der Verdächtige, ein Deutscher, vor dem Snowden-Verrat rekrutiert worden sei. Danach hatte Washington versprochen, Operationen gegen Freunde zu stoppen. Das Klügste zu dieser Affäre sagte der neue NSA-Chef Michael Rogers: Aktionen (im Ausland) seien zwar nicht illegal, aber auch nicht weise. Amen. Und nun zu unseren russischen und chinesischen Freunden.

Wer gewinnt in der Ostukraine?

Zu wünschen ist, dass die Offensive gegen die russisch geführten und munitionierten Separatisten den Zerfall der Ukraine stoppt. Poroschenko hat alles Recht der Welt, gegen einen bewaffneten Aufstand vorzugehen. Zu erhoffen ist, dass Putin nicht wie im Poker „all in“ und eine offizielle Invasion befiehlt. Dann wird er gewinnen, aber Europa verlieren – und die Ukraine sowieso. Leider gibt es im Westen derzeit keinen strategischen Kopf, der Russland sowohl eindämmen als auch einbinden könnte.

Der Irak zerfällt. Wann gibt es einen kurdischen Staat?

Den gibt es de facto schon seit Saddams Zeiten, als die US- und britische Luftwaffe eine No-fly-Zone über den Irak verhängten. Die Chancen eines solchen Staates sind insofern gestiegen, als seine schlimmsten Feinde derzeit heftig geschwächt sind. Syrien und Irak können nicht einmal die eigene Staatlichkeit aufrechterhalten, geschweige denn, wie in alten Zeiten, die Kurden militärisch unterdrücken. Die Türkei entwickelt sich zu einem neuen „Kranken Mann am Bosporus“ (der Begriff stammt aus der Vor-1914-Zeit). Eine gute Konjunktur also, vom Öl ganz zu schweigen. Aber der jetzige Zustand ist gut genug, während die formelle Ausrufung eines Staates unberechenbare Konsequenzen haben könnte.

Ein letztes Wort zur Fußball-WM…

Der jetzige Stand erinnert an den Spruch des England-Stürmers Gary Lineker: „Fußball ist ein Spiel mit 22 Leuten und einem Ball. Und zum Schluss gewinnen immer die Deutschen.“ Die Jogilöwen haben nicht besonders brillant gespielt, aber immer gewonnen. Argentinien wird übermütig, Brasilien tölpelt so vor sich hin. Also… (Achtung: Holland brennt auf Revanche für das verlorene Endspiel gegen Deutschland 1974.)

Josef Joffe ist Herausgeber der „Zeit“. Fragen: Moritz Schuller.

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