WAHLKAMPF 2013 : Hätte, hätte, Deutschlandkette

In Zukunft sollte das Duell kleiner und einfacher sein.

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Ja, klar. Stefan Raab war der Sieger des TV-Duells. Zumindest aufseiten des Moderatoren- Quartetts. Er war leidenschaftlich, hartnäckig, witzig und lieferte, wie es sich für einen Talkshowmoderator gehört, einfache und klare Bilder. Raab hat es geschafft, ohne billiges Politiker-Bashing auszukommen. Seine Eingangsfrage an Angela Merkel war bürgernah und ihre Antwort bezeichnend. Wollte er doch von ihr wissen, ob sie sicher sei, dass bei ihr auch CDU rauskomme, wenn sie den Wahl-O-Mat teste.

Merkel stolperte und sagte dann, dass da sehr viel CDU rauskommen könne. Sicher war sich die CDU-Chefin aber nicht. Auch Raabs kleines Privat-Duell mit Peer Steinbrück zur Frage nach der großen Koalition war zwar am Ende etwas überdreht, aber er hat nicht lockergelassen und ein berechtigtes Anliegen gehabt – schließlich ist das die bei vielen Wählern beliebteste Konstellation. Nur Steinbrück will nicht.

Und doch hat Raab seinen persönlichen Erfolg auch und vor allem den anderen dreien zu verdanken. Denn nur durch deren Schwäche konnte er so hervorstechen. Staatstragend, wenig energisch war vor allem das Duo Peter Kloeppel und Maybrit Illner. Überraschende Fragen hatten die beiden nicht. Und doch würde ein Kanzlerduell, was nur von Raab moderiert würde, schiefgehen. Einen Schlagabtausch würde es mit ihm in der Moderatoren-Hauptrolle sicher geben, aber eher zwischen Raab und einem der Kandidaten, aber nicht zwischen den beiden eigentlichen Protagonisten.

Das Grundproblem des Duells ist sein Format: starre Redezeiten, vorher abgesprochene Themenblöcke, zu viele Fragesteller und komplizierte Regeln. Das hat mehr von getragenem Staatsfernsehen und zu wenig von einer Live-Sendung, deren Reiz in der Spontaneität, im Zufall, eben in der Lebendigkeit liegt. Die Kandidaten müssen deshalb nicht besonders charismatisch sein. Angela Merkel und Peer Steinbrück wirkten nüchtern und sachlich, aber authentisch. Insofern waren sie erfolgreich, schließlich diktieren die Parteien die Regeln. Nur auf Dauer kann es nicht in ihrem Interesse sein, jede Spontaneität von vornherein zu verhindern.

Freiraum gab es trotzdem – außerhalb des Formats. Denn das Duell verselbstständigt sich zusehends. Ging es früher vor allem um die unmittelbare Nachberichterstattung im Fernsehen und die Kommentierung in den Zeitungen, ist mit den sozialen Netzwerken ein weiterer Verstärker beziehungsweise ein Katalysator hinzugekommen. Dort werden Trends gefiltert, Themen besonders sichtbar und damit auch beschleunigt. In dem Fall haben die sozialen Netzwerke der Sachlichkeit des Duells etwas sehr Verspieltes entgegengesetzt: Merkels Kette. Die Diskussion, ob das nun eine schwarz-rot-goldene Kette oder doch eher eine belgische Variante ist, bleibt noch immer umstritten. Der eigene Twitter-Account @schlandkette hat mittlerweile über 6000 Follower.

Damit haben die sozialen Netzwerke Merkel und Steinbrück gewissermaßen zur großen Koalition verkettet. Denn auch Steinbrück hat es – allerdings mit einer Fahrradkette – zu einer Social-Media-Berühmtheit gebracht. Als er vor wenigen Wochen im Morgenmagazin gefragt wurde, ob es ein Fehler war, den Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“, der auch von einer Leiharbeitsfirma seit Jahren verwendet wird, nicht vorab geprüft zu haben, antwortete er: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“ Nun heißt es: „Hätte, hätte, Deutschlandkette.“

Damit haben die sozialen Netzwerke im wahrsten Sinne eine Kettenreaktion ausgelöst. Es wird jener Freiraum zurückerobert, der im Duell nicht mehr vorhanden ist. Gleichzeitig zeigt sich, welche Bedeutung dieses Duell trotzdem hat, zumindest punktuell. Denn hier kommen alle Formen der Öffentlichkeit wie unter einem Brennglas zusammen: TV, Presse, Netz – nimmt man die etlichen „Public Viewings“ hinzu, gibt es auch das direkte Gespräch mit dem Tresennachbarn.

In anderen Ländern gibt es ähnliche Formate, auch dort läuft nicht alles rund. Aber vier Moderatoren, die mehr auf ihre eigenen Fragen achten als auf die Antworten, haben die wenigsten. Raab, das kann man sagen, war eine Bereicherung in dem starren Format. Das allein reicht aber nicht.

Das Motto für künftige Duelle müsste lauten: klein und einfach. Ein Tisch, zwei Kandidaten –

und ein Moderator.

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