Meinung : Was Rembrandt erwartet

„Was die Museen auf der Insel wollen“

vom 5. Juli

Der Umzug der Sammlung Alter Meister aus der Leere des Kulturforums auf die boomende Museumsinsel ist seit vielen Jahren vorgesehen. Da das Bode-Museum für diese Sammlung zu klein ist, wird dort seit langem ein Erweiterungsbau geplant. Wenn dieser Umzug nun stattfinden soll, bevor der Erweiterungsbau errichtet ist, so ist dies ein sehr geschickter Schachzug, den Erweiterungsbau rascher zu erzwingen.

Die meisten Kritiker erkennen das offenbar nicht: Der Plan, das Bode-Museum zu erweitern, um die große Sammlung Alter Meister auf die Museumsinsel zu holen, würde sich um Jahre verschieben, wenn jetzt nicht Druck gemacht würde – schließlich wurde die James Simon-Galerie von Chipperfield gerade erst begonnen, der Umbau des Pergamonmuseums aber noch nicht, genauso wenig wie der Neubau des Schlosses ...

Parallel zu diesen Großbaustellen, nicht erst danach die Erweiterung des Bodemuseum finanziell durchzusetzen, ist der Grund für diese Rochade.

Prof. Stephan Braunfels,

Berlin-Kreuzberg

Die Einlassung des Direktors der Gemäldegalerie liegt zur Gänze neben der Sache und ist eine Zumutung. Denn für die von ihm propagierte, an sich zu begrüßende „Bode-gerechte“ Präsentation der Sammlung Alter Meister fehlt ja bekanntermaßen die entscheidende Voraussetzung ihrer Unterbringung, nämlich der Neubau am Kupfergraben, dessen Errichtung in den Sternen steht. Und will er glauben machen, dass es dem bis jetzt noch durch eine großzügige, ungedrängte Präsentation seiner Exponate bestechenden Bode-Museum bekommt, wenn ihm die Hälfte der umfangreichen Sammlung der Gemäldegalerie voraussichtlich auf viele Jahre hinzugepfropft wird? Stellwände in ihrer großartigen

Basilika?

Die Stellungnahme ist vielmehr der nicht gelingende Versuch, zu bemänteln, dass es in Wahrheit darum geht, für das Geschenk der Sammlung Pietzsch Platz zu schaffen, und zwar sofort und ohne Rücksicht auf andere Werte. Man mag sich von deren Präsentation vielleicht auch die zahlenden Busladungen erhoffen, die die Gemäldegalerie mangels eines massentauglichen Magnets, wie ihn der Louvre mit der Mona Lisa besitzt, nicht anzuziehen vermag. So aber denken Stadtkämmerer und Eventmanager. Dass diese hastig zu realisierenden Absichten offenbar nicht von vielleicht kunstfremden Politikern, sondern von den zu Hütern der Schätze der Gemäldegalerie bestellten Personen ausgehen, nötigt zu dem harten Urteil: Die Berliner Sammlung Alter Meister ist in den

falschen Händen.

Klaus M. Franke, Tarmstedt

Alle europäischen Hauptstädte sind stolz auf ihre Schätze an Bildern aus vergangenen Jahrhunderten. Niemand käme auf die Idee, den Prado, die National Gallery oder den Louvre für Objekte privater Sammler zu räumen. Säle und Kabinette der Gemäldegalerie am Kulturforum wurden speziell für die Bedürfnisse der Bilder und ihrer sinnvollen Hängung gebaut. Am Kulturforum sind zwei weitere bedeutsame Sammlungen (Kupferstichkabinett, Kunstgewerbemuseum) untergebracht. Zwischen allen drei Sammlungen bestehen viele inhaltliche Bezüge. Nun soll ein großer Bereich der Gemäldegalerie geleert und einige Bilder im Bode-Museum untergebracht werden, wofür es aber kaum noch Platz bietet. Vielleicht im Obergeschoss in einer Ecke für die kleinen Tafeln von Jan van Eyck, Adam Elsheimer oder Paul Bril. Aber wohin mit den Altartafeln des Rogier van der Weyden, wohin mit den großen Bildern von Botticelli, Gossaert, Rembrandt, Tiepolo ...? Ab ins Depot?

Christa Cohnen, Heidesheim

Den Appell namhafter Kunsthistoriker, die Gemäldegalerie nicht vorzeitig zu schließen, sollten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Politiker nicht ungehört verstreichen lassen.

Warum nutzt sie nicht vorübergehend die Sonderausstellungsräume im

Kulturforum für die Unterbringung der

Sammlung Pietzsch? Der Verlust wäre bei Weitem nicht so groß, zumal Berlin

über zahlreiche Räumlichkeiten

für Sonderausstellungen verfügt.

Hans-Wilhelm Groscurth,

Berlin-Charlottenburg

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