Meinung : Welche Bedeutung haben Frauen für die katholische Kirche?

Foto: promo
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„Auf die Welt angewiesen“ vom 8. Oktober

Ihre Beiträge über die Rolle der katholischen Kirche haben mich zum Nachdenken gebracht. Schon seit langem sehen sich viele katholische Laien, aber auch Teile des Klerus, mit unerträglichem, intolerantem Verhalten der Kurie konfrontiert. Das bezieht sich aber natürlich nicht nur auf die Frage der Dogmatik zum Thema Kommunion/Abendmahl (Wer glaubt denn wirklich noch an die Realpräsenz von Blut und Leib Christi? Gewöhnlich beantworten katholische Laien diese Frage ebenso metaphorisch wie Protestanten). Noch unerträglicher finden viele Katholiken die Haltung der Kirche zur Gleichberechtigung der Frauen. Beim letzten Klassentreffen meiner ehemaligen Mädchenklasse einer Berliner Klosterschule stellten wir fest, dass nur mehr drei ehemalige Schülerinnen noch Mitglieder der katholischen Kirche sind. Welche moderne Frau mit solider Bildung und gesunder Persönlichkeit findet es – nach etwa 100 Jahren Frauenemanzipation – in Ordnung, an eine Institution Kirchensteuer zu zahlen, die Frauen diskriminiert? Schade – die Kirche könnte, wenn sie sich aus ihrer Verknöcherung löste, eine viel segensreichere Rolle spielen. Vielleicht lohnt es sich ja doch, darauf zu hoffen und den Kirchenaustritt noch etwas hinauszuzögern?

Elisabeth Tkotsch, Berlin-Schlachtensee

Sehr geehrte Frau Tkotsch,

was hält moderne Frauen noch in der katholischen Kirche, wo diese sie doch ganz offensichtlich diskriminiert? Die Antworten auf diese Frage sind vielschichtig und zum Teil individuell wie die Frauen selbst.

Beginnen wir mit der emotionalen Seite. Wer wie ich katholisch aufgewachsen ist, hängt an dieser Kirche, wie man an seiner Herkunftsfamilie hängt. Man mag sich gelegentlich über sie ärgern, manchmal vielleicht sogar schämen: Hier habe ich meine Wurzeln, hier ist meine seelische Heimat. Bewegende Gottesdienste, schöne kirchliche Feste, die vertrauensvolle Verbundenheit in der Pfarrfamilie, früher in der katholischen Jugend, heute in der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands: Das ist ein Fundament, das trägt. Der Glaube gehört zu meinem Person-Sein, zu meinem Leben. „Die katholische Kirche“ – das bin auch ich. Ich kann da nicht austreten wie aus einem Verein. Und ich will das Feld auch nicht jenen Dogmatikern überlassen, die meinen, die Kirche müsse sich „gesundschrumpfen“.

Die Verwurzelung im Glauben ist gewiss auch der Motor für das vielfältige Engagement von Frauen in der Kirche. Denn eins ist unstrittig: Ohne die Frauen wäre ein lebendiges Gemeindeleben nicht denkbar. Sie gestalten und prägen Kirche an der Basis, indem sie sich um die Festlichkeiten der Gemeinde kümmern, Gottesdienste vorbereiten oder als Katechetinnen den Kommunionunterricht begleiten. Immer selbstverständlicher übernehmen sie Verantwortung in Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen. Sie sind Küsterinnen, Kirchenmusikerinnen, Pfarr- und Pastoralreferentinnen. Aus den Ordinariaten sind sie ebenfalls nicht mehr wegzudenken. Sie erobern selbst die Führungsetagen – wenn auch nur sehr langsam. Und die theologischen Fakultäten unserer Hochschulen wären um vieles ärmer, wenn es keine Professorinnen gäbe. Kurzum: Frauen nehmen die Herausforderungen an, die die Kirche ihnen bietet und nutzen erfolgreich ihre Gestaltungsspielräume.

Doch all diese positiven Entwicklungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in unserer Kirche noch weit von einer gleichwertigen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Frauen und Männern entfernt sind. Dabei ist diese Vorstellung alles andere als neu. Sie wurde bereits vor 30 Jahren im Bischofswort „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ veröffentlicht.30 Jahre sind für die Kirche vielleicht eine kurze Zeitspanne, für viele Menschen jedoch der Großteil des Erwachsenenlebens. Wir können nicht ewig auf Fortschritte warten. Viele Frauen sind inzwischen ganz zu Recht ungeduldig.

Eine große Chance, die Diskussion um die Gleichberechtigung von Frauen wieder neu zu beleben, bietet der von den Bischöfen angestoßene Dialogprozess. Bei seinem Auftakt im Juli dieses Jahres in Mannheim, an dem auch ich teilgenommen habe, haben die Bischöfe selbst „Partizipation und das Verhältnis der Geschlechter in der Kirche“ als zentrales Arbeitsfeld benannt. Kirchenrechtlich ist es zum Beispiel heute schon möglich, Frauen stärker als bisher zu beteiligen und ihnen einen besseren Zugang zu Führungspositionen in der Kirche zu gewähren. Man muss es nur tun.

An dieser Stelle sind wir Katholikinnen gefordert, unsere Erwartungen an den Dialogprozess klar zu formulieren und mit Nachdruck einzubringen. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands als größter katholischer Verband hat zu diesem Zweck das Positionspapier „Frauen geben Kirche Zukunft“ verabschiedet, das noch einmal die Themen deutlich benennt, die aus der Frauenperspektive im Fokus stehen. Wer sollte auch für unsere Anliegen als Frauen in der Kirche streiten, wenn nicht wir selbst?

— Maria Theresia Opladen, Bundesvorsitzende

der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands

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