Wohlfühlstudie : Berlin ist bezirksweise ein Drecksloch

Berlin macht Freude, fühlt sich gut an und nimmt sich nicht mehr so ernst. Aber Berlin ist schmutzig. Und auch sonst sollte sich der Regierende Bürgermeister Wowereit die Studie genauer anschauen. Ein Kommentar.

Berliner sind nicht rotzig, sondern rührend in ihrem Lokalpatriotismus. Das haben die Wasserwerker von Veolia bei einer Massenbefragung von Großstädtern in aller Welt herausgefunden. Die Studie bestätigt mit vielen Zahlen, was man in Berlin ganz subjektiv und lebensgefühlig wahrnehmen kann: Die Stadt macht wieder Freude, sie fühlt sich gut an, sie mag sich selbst, sie nimmt sich nicht mehr so furchtbar ernst wie in den anstrengenden, angeberischen 90er Jahren. Die Berliner mögen an Berlin die Freiheit, die gigantischen Unterhaltungsmöglichkeiten und natürlich das viele Grün. Die Frage, woher die Veränderung des Stadtlebensgefühls kommt, sprengt jede Studie. Aber der richtlinienkompetente Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, die Inkarnation des „Ich steh’ auf Berlin“-Gefühls, kann der Umfrage ein paar Aufträge entnehmen. Die Berliner mögen nämlich nicht: den Schmutz – ja doch, Berlin ist bezirksweise im Vergleich zu New York ein Drecksloch –, die „schlechte Verwaltung“ und – Hallo, Frau Verkehrssenatorin Junge-Reyer!, Vorreiterin auf der roten Welle – die Staus. Es gibt also einiges zu tun – vielleicht sogar in Sachen „Mentalitätswandel“. Denn nur acht Prozent der Berliner halten „wirtschaftliche Dynamik“ für einen wichtigen Aspekt der Lebensqualität. Das dürfte man in London oder Schanghai anders sehen. Aber das sind auch keine Hartz-IV-Metropolen. wvb

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