Wulff, Terror, Kinski : Schein und Sein

Christian Wulff wird voraussichtlich nicht angeklagt. Rechtsbruch kann ihm keiner mehr vorwerfen. Doch das ist nicht der einzige Fall, der Anlass gibt für eine Urteils-Revision

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Menschen irren. Manchmal täuscht der Eindruck. Und manchmal dauert es ein Weilchen, bis alle Informationen verfügbar sind. Im Urteil über andere ist daher Vorsicht geboten. Christian Wulff wird voraussichtlich nicht angeklagt. Rechtsbruch kann ihm keiner mehr vorwerfen. Das ist, gemessen an den Kanonaden, die auf den ehemaligen Bundespräsidenten abgefeuert worden waren, eine Nachricht, die aufhorchen lässt. In Bonn wiederum erhärtet sich nicht der Verdacht gegen zwei Islamisten wegen eines versuchten Bombenanschlags. Nun heißt es, die Täter könnten auch einen rechtsradikalen oder kriminellen Hintergrund haben. Das sollten all jene bedenken, die vor einem Monat ganz forsch eine stärkere Beobachtung von Salafisten durch den Verfassungsschutz gefordert hatten. Klaus Kinski wiederum war offenbar alles andere als jenes gelegentlich zu Temperamentsausbrüchen neigende diabolische Genie, als das ihn seine Fans glorifizierten. In seinem Fall gilt die umgekehrte Regel: Manchmal täuscht der Eindruck nicht, sondern stimmt ganz genau, wird aber verdrängt. Sich in Menschen geirrt zu haben, ist keine Schande. Eine Schande ist es nur, sich vor den Möglichkeiten solcher Irrtümer innerlich zu verschließen, damit das eigene Weltbild nicht ins Wanken gerät.

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