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Zwischenruf : Wie verrückt darf Politik sein?

06.01.2013 00:00 Uhrvon
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".Bild vergrößern
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse". - Foto: Mike Wolff

Horst Seehofer und Peer Steinbrück zeigen es: In der Politik hat auch der Irrsinn eine Chance. Aber der Spaß hört dann auf, wenn die Wählerschaft verachtet wird.

Peer Steinbrück und die Frage nach dem richtigen Gehalt für einen Kanzler, Horst Seehofer und die CSU-Minister in München, Philipp Rösler und die FDP. Am Anfang dieses Jahres stellt sich eine Frage: Wie viel Irrsinn verträgt die Politik? Einige erste Schlüsse sind nach den Ereignissen rund um die Weihnachtspause möglich: 1. In ihrem eigenen Referenzrahmen kann es in der Politik gar nicht verrückt genug zugehen. 2. Die bisher zuverlässigste Bremse für politische Entgleisungen – die Öffentlichkeit – hat sich auf die Seite der Voyeure geschlagen. Statt den Wahnsinn zu bremsen und zu sanktionieren, feuert sie ihn an.

Kurz vor Weihnachten zeigte CSUChef Seehofer, dass die Toleranz für abweichendes Verhalten in der Politik deutlich gewachsen ist.

Er hatte einen seiner engsten Mitarbeiter, Finanzminister Söder, einen hemmungslosen Ehrgeizling mit schwersten Charakterschwächen genannt. Die Reaktionen schwankten zwischen lautem Gekicher und leiser Betroffenheit – geschadet hat es Seehofer nicht. Das Publikum ist von Crazy Horst begeistert.

Anders Problempeer Steinbrück. Der SPD-Kanzlerkandidat hält nun auch das Kanzlersalär für zu niedrig. Er mag ja recht haben. Aber damit nur wenige Wochen nach der peinlichen Sache mit den außerparlamentarischen Honoraren herauszukommen, ist schon ein Ding. Daraus kann man keinen Wahlkampfhit stricken, so verrückt kann keiner sein.

Die Gemeinsamkeit beider Wahnfälle liegt darin, dass Selbstüberschätzung mit Verachtung für das Gegenüber einhergeht. Seehofer verachtet seinen Hofstaat und macht sich damit beim Wähler beliebt. Steinbrück dagegen verachtet die kleinkarierte ehrpusslige Wählerschaft, und versucht sich bei seinem Hofstaat, der SPD, anzubiedern. Das geht schief. So kann Steinbrück das Publikum mit seinen Ausfällen nicht auf seine Seite ziehen, im Gegenteil: Er stößt es ab.

Verrücktheit in der Politik nutzt dem Kandidaten, solange er seine Späße auf Kosten der Ehrgeizlinge im eigenen Lager macht – und dem Wähler die Rolle des lachenden Dritten zugesteht. Auch Steinbrück hat das einmal gewusst.

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