Fahrradklima-Test des ADFC : Berlin fährt in den Tabellenkeller

Der Ärger auf Berlins Straßen wächst. Beim ADFC-Fahrrad-Klima-Test 2014 ist Berlin unter den größeren Städten ins letzte Viertel der Tabelle abgerutscht. Die Radler ärgern sich besonders über Falschparker, Diebe und den eigenen Stellenwert.

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Etwa alle zwei Jahre ermittelt der ADFC das Fahrradklima in deutschen Kommunen. Im Oktober und November 2014 haben in Berlin 3841 Radfahrer an der Umfrage teilgenommen. Foto: dpa
Etwa alle zwei Jahre ermittelt der ADFC das Fahrradklima in deutschen Kommunen. Im Oktober und November 2014 haben in Berlin 3841...Foto: dpa

Der Radverkehr in Berlin wächst, die Stimmung sinkt – die Berliner Radfahrer zeigen sich beim ADFC-Fahrradklima-Test 2014 unzufrieden und stellen ihrer Stadt ein schlechtes Zeugnis aus. Größtes Ärgernis sind Falschparker. Mit der durchschnittlichen Note 5,3 für blockierte Radwege geben sie der Stadt nach Hamburg die zweitschlechteste Wertung überhaupt in der Rangliste. Die Noten in der Umfrage, die im vergangenen Herbst durchgeführt wurde, orientieren sich an den Schulnoten und reichen von eins bis sechs.

Aber das ist nicht das einzige, was Berliner Radfahrern stinkt. Auch der weiter grassierende Fahrrad-Diebstahl ist für Berlin Radler ein großes Ärgernis, das die Radler mit 5,1 bewerten. Größer ist der Ärger über geklaute Velos nur in Magdeburg.

Radler sind sauer über Autos, Ampeln und Radwege

Und es hagelte weiter Fünfer für die Situation der Radfahrer in Berlin. Die Ampelschaltungen für Radfahrer in der Stadt, Konflikte mit Autofahrern und die Oberfläche der Radwege wurden allesamt mit der Note 4,7 im Schnitt bewertet. Für die Breite der Radwege gab es die Note 4,8 und die Führung an Baustellen wird gar mit der Durchschnitts-Note 4,9 bewertet. In der Summe ein Denkzettel vor allem für Berlins Politik und Verwaltung.

Aufgepasst: Beim Diebstahl erhält die Hauptstadt ein klares Mangelhaft und kommt auf Platz zwei der Negativstatistik. Nur die Magdeburger haben als Zweiradklauer noch einen schlechteren Ruf. Foto: dpa
Aufgepasst: Beim Diebstahl erhält die Hauptstadt ein klares Mangelhaft und kommt auf Platz zwei der Negativstatistik. Nur die...Foto: dpa

Mit so vielen Fünfen wäre Berlin als Fahrradschüler glatt durchgefallen, wenn auch die Gesamtnote für die Hauptstadt bei 4,05 liegt. Das liegt unter anderem daran, dass sich Berliner Radfahrer als große Gruppe fühlen. Bei der Beteiligung am Radverkehr schrammt Berlin mit 2,5 haarscharf an einer Eins vorbei. Und offensichtlich lässt es sich auf unseren Straßen auch flott vorankommen, denn das zügige Fahren wird mit 2,6 bewertet.

Berlin rutscht in die Abstiegszone

In der Rangliste der Städte über 200 000 Einwohner belegt Berlin dennoch nur den 30. von 39 Plätzen. Damit ist die Hauptstadt um sechs Plätze nach unten gerutscht und findet sich im letzten Viertel der Tabelle wieder. Gäbe es eine zweite Liga, dann müsste die Abstiegsangst groß sein. Unter den größten Metropolen des Landes liegen nur Hamburg mit Platz 35 und Köln mit Platz 36 klar hinter Berlin. Besser ist die Stimmung dagegen in Frankfurt (Platz 8) und München (Platz 12). Überholt wurde Berlin im Vergleich zur letzten Umfrage im Jahr 2012 von Duisburg, Stuttgart und Essen.

Über 100 000 Menschen haben sich an Umfrage des Fahrrad-Clubs ADFC und dem Bundesministeriums für Verkehr beteiligt. Die Erhebung ist Teil des Nationalen Radverkehrsplans des Ministeriums. Insgesamt kamen 468 Städte in die Wertung. Das sind deutlich mehr als 2012, als lediglich für 332 Städte eine Auswertung vorgenommen werden konnte. Der Test bestand aus 27 Fragen und wurde vor allem über das Internet durchgeführt.

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