Politik : ... Millionen Menschen ihre Heimat verloren haben?

Die Dimension des Leids und der Not lässt sich zwar in Zahlen ausdrücken. Doch was das im Alltag bedeutet, wissen nur die Betroffenen selbst: Derzeit haben mehr als zwei Millionen Syrer in Nachbarstaaten Schutz vor dem Bürgerkrieg gefunden. Und täglich kommen ein paar Tausend hinzu. Menschen, die alles verloren haben. Nun leben sie in zum Teil riesigen Lagern in Jordanien, der Türkei oder im Libanon – oft unter katastrophalen Bedingungen. Aber diesen Bedürftigen geht es immer noch besser als den „Binnenvertriebenen“. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks gibt es bereits mehr als vier Millionen Menschen, die wegen der Kampfhandlungen ihre Heimat aufgeben mussten und in Syrien umherirren. Andere Schätzungen gehen sogar von sieben Millionen aus. Sie nur mit dem Allernotwendigsten zu versorgen, stellt die Helfer an Ort und Stelle vor immense Probleme. Denn in Syrien gibt es praktisch keine staatliche Infrastruktur mehr. Kürzlich schätzte die regierungsnahe Zeitung „Al Watan“ die Kosten für den Wiederaufbau auf derzeit 55 Milliarden Euro. Dafür wären 10 000 Baustellen mit 15 000 Lastwagen und 10 000 Betonmischmaschinen sowie sechs Millionen Arbeiter notwendig. Vertreter von Hilfsorganisationen nehmen allerdings das Wort „Wiederaufbau“ ungern in den Mund. Zu desaströs sei die Lage und deshalb kaum vorstellbar, wie das Land wieder auf die Beine kommen könnte. Dennoch lassen sich die Menschen in den Flüchtlingscamps eines kaum nehmen: die Hoffnung, dass sie irgendwann in ihre Heimat zurückkehren können.

Daran arbeiten Exilgruppen wie der Syrische Nationalrat (SNC). Der hat sich schon nach Kriegsausbruch im August 2011 gegründet. Er setzt sich zusammen aus Intellektuellen und Muslimbrüdern, die zum Teil seit Jahrzehnten im Exil leben. Von Istanbul aus agiert der SNC heute bereits wie eine demokratische Version eines fernen Syrien. Zwar noch ohne Macht, aber bereits mit mächtigen Verbündeten: Die USA und Saudi-Arabien unterstützen die Arbeit der Exilsyrer. Ende 2012 schloss sich der SNC durch Vermittlung der Amerikaner zudem mit anderen, kleineren Oppositionsgruppen zur Syrischen Nationalkoalition zusammen. Ahmad al Dscharba, Präsident dieser Koalition, schrieb in einem Essay für die „Washington Post“ über die „humanitäre Katastrophe“ in Syrien. Und warnte: Wenn keine Hilfe komme, werde im Land „die Verzweiflung den Radikalismus gebären“.

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