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1. Mai in der Türkei : Tränengas gegen Demonstranten in Istanbul, Mann getötet

Die Polizei in Istanbul ist hart gegen Demonstranten auf dem Weg zum Taksim-Platz vorgegangen. Ein Wasserwerfer überfuhr einen Mann. Vier mutmaßliche IS-Anhänger festgenommen. Bombe explodiert in Gaziantep.

Demonstranten, die zum Taksim-Platz vordringen wollten, trafen am Sonntag in Istanbul auf starke Polizeikräfte.
Demonstranten, die zum Taksim-Platz vordringen wollten, trafen am Sonntag in Istanbul auf starke Polizeikräfte.Foto: Sedta Suna/dpa

Die Polizei in Istanbul ist gewaltsam gegen zwei nicht genehmigte Kundgebungen zum 1. Mai vorgegangen. Im Zentrum der türkischen Metropole setzte sie am Sonntag Wasserwerfer und Tränengas gegen Dutzende Demonstranten ein, die trotz eines Verbots versuchten, zum abgeriegelten Taksim-Platz vorzudringen. Ein 57-jähriger Passant wurde von einem Wasserwerfer überfahren und getötet, als er am Rande der Auseinandersetzungen eine Straße überqueren wollte.

Die Behörden hatten sich mit den Gewerkschaften darauf geeinigt, die traditionelle Kundgebung zum 1. Mai auf ein riesiges Areal in der Nähe des internationalen Flughafens zu verlegen. Als Mitglieder der pro-kurdischen Partei HDP versuchten, dort eine eigene Protestkundgebung abzuhalten, wurde diese ebenfalls von der Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern aufgelöst. Mehrere Demonstranten wurden nach Angaben eines AFP-Fotografen festgenommen.

Im Zentrum Istanbuls nahm die Polizei nach Behördenangaben 207 Menschen fest, die zum Taksim marschieren wollten. Demonstranten skandierten „Nieder mit Faschismus“ und „Lang lebe der 1. Mai“. Zahlreiche Barrieren versperrten den Weg zu dem zentralen Platz. Hubschrauber kreisten über der Stadt. Die Behörden hatten zudem knapp 25.000 Polizisten im Einsatz. Früher am Tag war die Zahl der Einsatzkräfte noch auf 15.000 beziffert worden. 120 Wasserwerfer standen demnach bereit.

Waren Anschläge auf Feiern zum 1. Mai geplant?

Nach einer Reihe blutiger Anschläge, zu denen sich radikale Islamisten sowie eine militante kurdische Splittergruppe bekannten, ist die Sicherheitslage in der Türkei äußerst angespannt. In der Hauptstadt Ankara nahm die Polizei am Sonntag vier mutmaßliche Anhänger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) fest, die Anschläge auf die Feiern zum 1. Mai geplant haben sollen.

Vor einer Polizeiwache im südtürkischen Gaziantep ist eine Bombe explodiert.
Vor einer Polizeiwache im südtürkischen Gaziantep ist eine Bombe explodiert.Foto: Reuters/Ihlas News Agency

Auch abseits der Metropole kam es am Sonntag zu Gewalt. Gut eine Woche nach dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde in der südosttürkischen Stadt Gaziantep auf das Polizei-Hauptquartier ein Autobomben-Anschlag verübt. Das Amt des Gouverneurs teilte mit, ein Polizist sei bei der Detonation am Morgen des Maifeiertages vor dem Gebäude getötet worden. 19 Polizisten und vier Zivilisten seien bei dem „heimtückischen Angriff“ am Sonntag verletzt worden.

Auf Fernsehbildern waren Krankenwagen an der Einfahrt zu dem Polizei-Hauptquartier zu sehen, Trümmer lagen auf der Straße. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Die Nachrichtenagentur DHA meldete, nach der schweren Explosion des Sprengsatzes seien Schüsse zu hören gewesen. Abadolu und DHA sprachen übereinstimmend von einem „Terrorangriff“. Auf Fernsehbildern waren Krankenwagen an der Einfahrt zu dem Hauptquartier zu sehen, Trümmer lagen auf der Straße.

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Bombenanschlag in der Türkei: Ein Polizist tot
Bombenanschlag in der Türkei: Ein Polizist tot

Merkel hatte am Samstag vor einer Woche die Stadt Gaziantep und ein Flüchtlingscamp in der Umgebung besucht. Die Provinz Gaziantep grenzt an Syrien an.

Eine kurdische Extremistengruppe hat sich am Sonntag zu dem Selbstmordanschlag in der türkischen Stadt Bursa bekannt vom Mittwoch bekannt. Die Kurdischen Freiheitsfalken (TAK) teilten am Sonntag auf ihrer Webseite mit, ein weibliches Mitglied der Organisation habe sich in der Nähe der wichtigsten Moschee in die Luft gesprengt. Die Frau sei dabei ums Leben gekommen. Bei dem Selbstmordanschlag im Nordwesten der Türkei waren am Mittwoch zudem acht Menschen verletzt worden. Bursa ist die viertgrößte Stadt der Türkei. Die Industriestadt liegt südlich der Metropole Istanbul. (AFP, dpa, rtr)

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