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1. Mai in Istanbul : Mehr als 200 Festnahmen nach Straßenkämpfen in Istanbul

Bei Demonstrationen zum 1. Mai ist es in Istanbul zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei nahm über 200 Personen fest. Ein Mensch starb bei einem Unfall.

Demonstranten versuchten am 1. Mai, auf den abgesperrten Taksim-Platz in Istanbul zu gelangen.
Demonstranten versuchten am 1. Mai, auf den abgesperrten Taksim-Platz in Istanbul zu gelangen.Foto: AFP/Yasin Akgul

In Istanbul haben sich Demonstranten und Sicherheitskräfte zum 1. Mai Straßenschlachten geliefert. Im Stadtteil Mecidiyeköy setzte die Polizei am Montag einem Reuters-Reporter zufolge Tränengas und Gummigeschosse gegen eine Gruppe ein, die sich den Weg zum Taksim-Platz bahnen wollte.

Dort hatten 2013 wochenlang Demonstrationen gegen die türkische Regierung stattgefunden, Proteste sind auf dem Platz inzwischen verboten. Die Umgebung war deshalb weitläufig abgesperrt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu waren mehr als 30.000 Sicherheitskräfte in Istanbul im Einsatz. Der Platz war am Montag komplett mit Gittern abgeriegelt, auch die Zufahrtsstraßen waren in weitem Umkreis abgesperrt. Die Polizei war massiv präsent, die Metrostation war geschlossen.

"Lang lebe der 1. Mai. Nein zum Diktator", hieß es auf Bannern der linken Demonstranten im Istanbuler Stadtteil Gayrettepe. Als der Protestzug in Richtung des Taksim-Platzes startete, schritt die Polizei ein. Der Istanbuler Gouverneur erklärte, einige illegale Gruppen hätten versucht, die Feiern zum 1. Mai als "Vorwand" für Proteste gegen die Regierung zu nutzen.

Demnach kam ein Mensch bei einem Unfall beim Manöver eines Wasserwerfers ums Leben. 40 Molotowcocktails, 17 Handgranaten, 176 Feuerwerkskörper und sieben Masken seien beschlagnahmt worden, erklärte die Polizei. Insgesamt 207 Menschen seien festgenommen worden.

Polizei beschlagnahmt Handgranaten und Brandsätze

Die Gewerkschaften hatten angekündigt, in diesem Jahr dort keine Veranstaltungen zum Tag der Arbeit abzuhalten. Den Behörden zufolge wurden 207 Personen festgenommen.

In der Türkei finden am Tag der Arbeit regelmäßig Proteste statt, bei denen es immer wieder zu Gewalt kommt. Nach dem umstrittenen Verfassungsreferendum zur Ausweitung der Befugnisse von Präsident Recep Tayyip Erdogan sind die Spannungen im Land besonders hoch.

Der Taksim-Platz war in Istanbul der Austragungsort der Mai-Kundgebungen bis 1977, als 34 Menschen von radikalen Nationalisten erschossen wurden. "Unsere Leute wurden am 1. Mai 1977 massakriert", sagte eine Demonstrantin namens Sevim. "Wir gehen zum Taksim-Platz, weil es ein bedeutender Platz für die Arbeiterklasse ist." Auch in Ankara versammelten sich 6000 Menschen zum 1. Mai, wobei die Menge Buchstaben hoch hielt, die in Anspielung auf das Verfassungsreferendum das Wort "Hayir" (Nein) bildeten. Zudem gab es Banner mit der Aufschrift "Nein heißt Nein". An der offiziellen Kundgebung in Bakirköy beim Atatürk-Flughafen im Westen der Bosporus-Metropole nahmen mehrere tausend Menschen teil. (Reuters/AFP)

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