150-jähriges Jubiläum : Die SPD ist erfolgreich - und das ist ihr Problem

Heute feiert die deutsche Sozialdemokratie ihr 150-jähriges Bestehen. In ihrer Geschichte hat die SPD schweren Stürmen widerstanden und heftige Konflikte überlebt. Wo steht die Partei im Jahr 2013?

von
Foto: dpa

Es ist ein deprimierender Vergleich, der beim Jubiläum aber nicht ausgeblendet werden sollte: Misst man die SPD an ihren großen Wahlerfolgen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und stellt man diese Zahlen ihren Aussichten bei der anstehenden Bundestagswahl gegenüber, so muss das Ergebnis auch den freudetrunkensten Geburtstagsgast unter den Genossen ernüchtern. 45,8 Prozent holte Willy Brandt bei der Bundestagswahl 1972, ein Vierteljahrhundert später fuhr Gerhard Schröder 1998 immerhin noch 40,9 Prozent ein. Vor vier Jahren, bei der Bundestagswahl 2009, schockierte der Nachkriegs-Negativrekord von 23 Prozent die SPD. Und wenig deutet darauf hin, dass sich die älteste deutsche Partei wie Phönix aus der Asche erheben wird und nach alten Höhenrekorden strebt. Vier Monate vor dem 22. September sehen die meisten Umfragen die SPD nur wenige Punkte über dem Schockergebnis von 2009 und damit deutlich unter der 30-Prozent-Marke.

Seit den Erfolgen von Brandt und Schröder ist die gesamte Gesellschaft individualistischer geworden, haben sich die politischen Lager weiter ausdifferenziert. Die Hälfte ihrer mehr als eine Million Mitglieder aus der Hochphase Mitte der 70er Jahre hat die SPD verloren. Doch zwei Entwicklungen hatte sie selbst angestoßen: Das Thema Ökologie überließ Kanzler Helmut Schmidt ganz den Grünen, die zur Konkurrenz heranwuchsen und heute für viele junge Menschen aus dem linken Spektrum attraktiv sind. Wegen Schröders Agenda 2010 fühlten sich dann Traditionswähler verraten von ihrer SPD, gingen die Gewerkschaften auf Distanz. Die Gegengründung WASG vereinigte sich mit der PDS zur Linkspartei, die der SPD auch in westlichen Bundesländern den Kampf ansagte.

Freilich verraten die miesen Umfragewerte der Partei im Bund nicht die ganze Wahrheit über die SPD der Gegenwart. Wer nur auf sie starrt, verliert leicht aus dem Blick, dass die Sozialdemokraten des Jahres 2013 in Deutschland über enorme politische Macht verfügen. Nach deutlichen Zugewinnen in vielen Landtagswahlen ist die SPD heute in 13 von 16 Landesregierungen vertreten und stellt immerhin neun Ministerpräsidenten. Das sind vier mehr als Angela Merkels CDU und immerhin noch drei mehr als CDU und CSU gemeinsam. Auch in den meisten Großstädten des Landes regieren SPD-Oberbürgermeister.

Nur in der Endphase der Ära Helmut Kohl waren die Sozialdemokraten auf Länderebene noch mächtiger: 1995 regierten in zehn von 16 Bundesländern rote Ministerpräsidenten, in drei weiteren Ländern saßen SPD-Minister mit im Kabinett. Dazu kommt: In Hessen, wo am Tag der Bundestagswahl am 22. September auch der Landtag neu gewählt wird, rechnet sich die SPD gute Chancen aus, mit den Grünen die Macht zu übernehmen.

43 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben