205. Tag im NSU-Prozess : Terroristen verhielten sich bei Überfällen brutal

Bei ihren Banküberfällen gingen die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt äußerst rabiat vor, waren aber nicht immer besonders erfolgreich. Das zeigen Zeugenaussagen am 205. Tag des Prozesses in München.

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Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt überfielen 14 Banken und einen Supermarkt.
Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt überfielen 14 Banken und einen Supermarkt.Foto: dpa

Sie agierten brutal, doch die Beute war mager. "Er hat mir ins Gesicht geschlagen mit der Waffe", sagt eine Zeugin am Mittwoch im NSU-Prozess. "Ich hatte ein blaues Auge." Die Frau war am 23. September 2003 als Kundenberaterin in einer Chemnitzer Sparkassenfiliale tätig, als die NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hereinstürmten. Der Frau fällt es sichtlich schwer, sich im Oberlandesgericht München vor den vielen Prozessbeteiligten zu äußern. Sie weint und zögert bei manchen Angaben, sagt dann aber, sie habe den Überfall "gut verarbeitet". Aus einem makaberen Grund.

Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verletzten Angestellte

Die Zeugin behauptete gegenüber einem der Räuber, sie habe keinen Schlüssel zum Tresor und könne kein Geld herausgeben. Mundlos und Böhnhardt flüchteten mit lediglich 435 Euro aus den offenen Kassen. Sie habe den Angriff trotz der Verletzung am Auge "Gott sei dank gut verkraftet, weil ich nichts rausgegeben habe", sagt die Zeugin und meint den größeren Geldbetrag, der im Tresor lag. Auf ihren Mut ist die Zeugin offensichtlich stolz. Dass ihr dennoch Tränen kommen, erklärt sie mit der Aufregung, nun im Prozess auszusagen. Nach der Tat ging sie zu nur zwei psychotherapeutischen Sitzungen, außerdem arbeitete sie weiter.

Eine Kollegin, die Hauptkassiererin der Filiale, verzichtete ganz auf psychologische Betreuung, war aber drei Tage krank geschrieben und fand nur "langsam wieder ins Sparkassenleben" zurück. Außerdem lehnte sie bei der Polizei eine zweite Vernehmung ab, "weil ich Angst hatte, dass das dann psychisch immer schlimmer wird".

Einer der beiden hielt Kassiererin eine Waffe an den Kopf

Auch diese Zeugin schildert, wie rabiat die Täter vorgingen. "Gegen elf Uhr kamen zwei vermummte Männer rein und schrieen ,Überfall’", sagt sie. "Die sprangen über den Tresen, haben Kunden bedroht, ich habe laut geschrieen." Sie habe niemals gedacht, dass jemand über den brusthohen Tresen springen könne. "Da braucht man schon ein bisschen Fitness zu." Und einer der Täter habe ihr eine Waffe an den Kopf gehalten.

Mundlos und Böhnhardt wurden offenbar zunehmend hektisch, als ihnen der Tresor verschlossen blieb. Als sie die 435 Euro grapschten, fiel das meiste Geld auf den Boden. Die Hauptkassiererin bestätigt eine entsprechende Aussage bei der Polizei, als der Vorsitzende Richter Manfred Götzl ihr die Zitate vorhält.

Die Terroristen griffen insgesamt 14-mal Bankinstitute an

Bei der Tat wurden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt möglicherweise von dem Angeklagten André E. unterstützt. Eine BKA-Beamtin sagt am Mittwoch, das "mutmaßliche Tatfahrzeug" könnte ein Wohnmobil gewesen sein, dass André E. im September 2003 bei einem Verleih in Chemnitz gemietet habe. Der Angeklagte selbst sagt dazu nichts, er schweigt seit Beginn des Prozesses.

Der Überfall auf die Filiale der Sparkasse in Chemnitz war der siebte, den Mundlos und Böhnhardt verübten. Die Terroristen griffen insgesamt 14-mal Bankinstitute an, außerdem wurde ein Supermarkt beraubt. Mit den im Laufe der Jahre erbeuteten mehr als 600.000 Euro finanzierten die Neonazis weitere Verbrechen, darunter zehn Morde, und den Alltag im Untergrund.

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