Politik : 3000 Kinder von Priestern?

Deutsche Bischofskonferenz: Zahl ist völlig aus der Luft gegriffen

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Hamburg/Bonn (dpa). In Deutschland sollen könnten mehrere tausend Kinder von katholischen Priestern leben. In seiner am Samstag erscheinenden Ausgabe verweist der „Spiegel“ auf entsprechende Schätzungen von Betroffenen Initiativen. Danach sollen rund 9000 der insgesamt 17 000 katholischen Geistlichen sexuelle Beziehungen unterhalten, jeder dritte davon habe ein Kind gezeugt. Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz bewertete die Zahlen als „völlig aus der Luft gegriffen“. Sie entbehrten jeder Grundlage. Das ändere natürlich nichts daran, dass die Verletzung des Zölibatsversprechens oft auch menschlich sehr belastende Folgen nach sich ziehe. Der „Spiegel“-Artikel reihe Einzelschicksale aneinander und erwecke den Eindruck des Typischen, werde aber der Wahrheit nicht gerecht. „Hier wird suggeriert, die Priester in Deutschland nähmen mehrheitlich die Ehelosigkeit nicht ernst.“

Wegen des Keuschheitsgelübdes und der Ehelosigkeit von Priestern werden nach Darstellung des „Spiegels“ betroffene Mütter und Kinder offiziell verheimlicht. Einige Mütter lebten in Pfarrhäusern nach außen hin als Haushälterin. „In einigen Fällen werden Frauen von Priestern sogar zur Abtreibung gedrängt“, schreibt das Hamburger Nachrichtenmagazin.

Ein besonders Problem seien Ordensgeistliche, die wegen ihres Armutsgelübdes kein Einkommen hätten und nicht selber Alimente zahlen könnten: „Mitunter springt die Ordensleitung ein, allerdings nach dem Motto «Geld gegen Schweigen«.“ Mechthild Jonas-Himmelmann, bis März 2002 Vorsitzende der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen, wollte auf Anfrage am Freitag keine zahlenmäßige Schätzung wagen, wie viele Kinder es gibt, die einen amtierenden katholischen Priester als Vater haben. Die meisten Priester würden ihren Beruf niederlegen und heiraten, was jedoch erhebliche berufliche Härten zur Folge habe. Die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen hat laut Jonas-Himmelmann in den vergangenen 19 Jahren etwa 600 bis 700 Mitglieder gehabt, derzeit seien es 400.

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