4 Fragen an Josef Joffe : Was macht die Welt?

Zeit-Herausgeber Josef Joffe schaut den Trumpkampf als TV-Soap und wartet auf Horst I. von Bayern.

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Josef Joffe
Josef JoffeFoto: Promo

Lassen Sie uns das Undenkbare denken: Donald Trump wird US-Präsident. Geht dann die Welt unter?

Falsche Frage. Wir müssen diesen Wahlkampf als brillant inszenierte TV-Serie sehen; Titel: „Der Trumpator und die Schlange“. Da muss ein Cliffhanger den nächsten jagen, die eine Gemeinheit die nächste toppen. Trump kriegt die besseren Sprüche, Clinton die besseren Umfragen, aber nur knapp, damit die Einschaltquote steigt. Wenn also Trump in der Nacht zum Mittwoch die meisten Stimmen hat, ist das nur ein weiterer Cliffhanger. Denn plötzlich tauchen aus dem Nichts Hunderttausende vergessener Briefwahlstimmen auf. Keine Mehrheit für niemand. Jetzt muss das Repräsentantenhaus ran, doch dann erschüttert ein Erdbeben Washington...

Würde mit Hillary Clinton alles gut?

Die erbt eine Partei, die weit links von ihr steht, wo Bernies Sandernistas und die Senatorin Elizabeth Warren den Ton angeben. Wenn das Schlangenweib nicht seine höchste Schläue aufbietet, kommt da so ein Rotrotgrün auf amerikanisch heraus – mit hoher Besteuerung und Regulierung, die das Wachstum nicht beflügeln werden. Das Unterhaus, das in der Hand der Republikaner bleibt, revoltiert; womöglich wird das Land unregierbar. Aber WmdW zählt auf Hillary. Die ist wendiger, als es Obama war, wobei ihr Bill helfen wird – es sei denn, die Gattin verbannt ihn als Strafe für die Praktikantin Monica als Botschafter nach Haiti.

Egal, wer’s wird: Die amerikanische Demokratie hat sich blamiert. Oder?

Wie wer? Italien mit neun Jahren Berlusconi. Frankreich mit dem Mini-Napoleon Sarkozy und dem Roller-Fahrer Hollande. Die Ösis mit Waldheim, demnächst vielleicht mit einem FPÖ-Präsidenten. Die Briten mit „Mrs. Maybe“, die ihre Brexit-Rechnung ohne das Oberste Gericht und das Parlament gemacht hat. Deutschland mit einer zerrissenen Regierungspartei, wo Bayern am Aschermittwoch 2018 vom Bund abfällt und Horst I. zum König wählt. Wer Ruhe haben will, ziehe nach Kanada, in ein wohlregiertes Land, wo die größte Gefahr von marodierenden Elchen ausgeht.

Ein Wort zu Europas Abgesängen auf das US-Imperium...

Solche Fantasien sagen mehr über ihre Träger aus als über Amerika, verleihen sie doch Selbstwertgefühl und moralisch-politische Überlegenheit: „Guck mal, wie toll wir selber sind.“ Wenn Amerika ein Loser wäre, würden wir nicht nägelkauend auf den Wahlkampf starren, sondern Indo-Rock hören, chinesische Bestseller lesen, unsere Kinder auf russische Universitäten schicken, statt „Sale“ wieder „Winterschlussverkauf“ sagen und darüber klagen, dass Amerika sich von Europa abwende. Europa imitiert diesen Rammbock der Moderne und nimmt ihm das übel.

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