4 Tage nach der US-Wahl : Trumps engster Berater? Der Schwiegersohn

Jared Kushner begleitete den nächsten Präsidenten bei dessen Besuch im Weißen Haus. Das zeigt erneut: Die Familie ist Trump meist näher als jeder noch so enge Berater. Ein Kommentar.

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Im Hintergrund immer dabei: Schwiegersohn Jared Kushner, links hinter Donald Trump, bei der Stimmabgabe am Wahltag. Foto: AFP
Im Hintergrund immer dabei: Schwiegersohn Jared Kushner, links hinter Donald Trump, bei der Stimmabgabe am Wahltag.Foto: AFP

Selten lagen Informationshunger und belastbare Hinweise so weit auseinander wie jetzt bei der Frage nach Donald Trumps Regierungsmannschaft. Es bereitet ihm offenbar Vergnügen, die Öffentlichkeit zu Spekulationen zu verführen. Es heißt, zum Beispiel, Newt Gingrich (73 Jahre) könne Außenminister werden, Rudy Giuliani (72) Justizminister – und Stabschef der Vorsitzende des Republican National Committee (RNC), Reince Priebus (44). Die beiden Polit-Dinosaurier klingen wie ein schlechter Witz. Vielleicht ist es eine Finte. Priebus als Stabschef, das wirkte seriöser.

Trump unterminiert die Personalspekulationen der Medien

Doch wer war im Gefolge, als Trump Barack Obama 90 Minuten im Weißen Haus besuchte? Und wer unterhielt sich mit dessen Stabschef Dennis McDonough? Nicht Priebus, sondern Schwiegersohn Jared Kushner, der Ehemann von Ivanka Trump. Und diese Tochter hat Trump von allen seinen Kindern angeblich am meisten in sein Herz geschlossen. Das muss nicht heißen, dass Kushner Stabschef wird. Es deutet aber darauf hin, dass Trump sich noch nicht fest für Priebus entschieden hat. Sonst hätte er den mitgebracht. Der Sinn des Treffens war, auf den verschiedenen Ebenen Amtsinhaber und -nachfolger früh zusammenzuführen, um die Übergabe zu unterstützen: alter Präsident traf sich mit neuem Präsident, Vizepräsident mit Vizepräsident, First Lady mit First Lady ...

Die Familie ist Trump im Zweifel stets näher als jeder noch so enge Berater. In Kushner (35) kann er zudem seine eigene Jugend wiederfinden. Der tritt zwar eher leise auf und neigt nicht zu bombastischem Selbstlob. Doch stammt auch er aus einer Immobilienfamilie und hat unter schwierigen Rahmenbedingungen Innovationskraft und Unternehmermut bewiesen. Trump schaffte den Sprung nach Manhattan von Norden, aus Brooklyn. Kushner von Süden, aus New Jersey. Wie die Trumps kungelten die Kushners bei der Expansion mit den Demokraten. Die haben die politische Macht in New York.

Im Ehemann seiner Lieblingstochter sieht Trump sich selbst

Die Kushners sind orthodoxe Juden aus Weißrussland. Die Großeltern kämpften mit den Partisanen gegen Hitlers Truppen und konnten sich nach Amerika retten. Ihren Kindern hinterließen sie ein Immobilienimperium am Südrand von New York, das heute eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr macht. Jareds Vater zerstritt sich jedoch mit den Geschwistern. Die Methoden der Auseinandersetzung brachten ihn ins Gefängnis. Jared musste während des Studiums die Geschäfte übernehmen. 2007 leitete er im Alter von gerade mal 26 Jahren den bislang teuersten Deal der amerikanischen Immobiliengeschichte ein: 1,8 Milliarden Dollar für den Bürokomplex unter der Adresse 666 Fifth Avenue. Im Zuge der Finanzkrise mussten die Kushners ihn freilich wieder verkaufen.
Im Wahlkampf war Jared Kushner für die Online-Kampagne zuständig. Seit Juni gilt er als das Machtzentrum in Trumps politischem Team.

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