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50 Jahre Elysée-Vertrag : In aller Freundschaft

23.01.2013 10:53 Uhrvon und
Küsschen, Küsschen. François Hollande und Angela Merkel. Foto: AFPBild vergrößern
Küsschen, Küsschen. François Hollande und Angela Merkel. Foto: AFP - Foto: AFP

Deutsche und Franzosen feiern das Jubiläum des Elysée-Vertrags. Seit Montagabend sind Angela Merkel und François Hollande per Du. Und im Bundestag wird es emotional.

So klingt es, wenn die Kanzlerin ungeduldig wird. „Wir müssen jetzt ins Parlament, ein Parlament wartet nicht“, sagte Angela Merkel zu ihrem Gast und beendete damit am Dienstag die gemeinsame Pressekonferenz mit François Hollande. Die Bemerkung der Kanzlerin klingt in französischen Ohren vermutlich irritierend, denn in Frankreich hat das Parlament längst nicht die Macht wie in Deutschland. Frankreichs Präsidenten können nach Gutdünken die Parlamentarier nach Hause schicken und Neuwahlen ausrufen. Aber in Deutschland ist nicht der Präsident, sondern das Hohe Haus der Souverän.

Der Tag, an dem Deutschland und Frankreich den 50. Jahrestag des Freundschaftsvertrages feiern, beginnt kühl. Staatschef Hollande hat bei seinen Deutschlandbesuchen kein Glück mit dem Wetter. Vor acht Monaten, bei seinem Antrittsbesuch in Berlin, hatte ein Blitz sein Flugzeug getroffen, er musste umkehren und die Maschine wechseln. Diesmal durchkreuzt die Kälte das Protokoll. Der Empfang mit militärischen Ehren vor dem Schloss Bellevue muss abgekürzt werden, bei minus neun Grad können die Blechbläser ihren Part nicht absolvieren. Und zu allem Überfluss kann ein Flugzeug mit einigen französischen Parlamentariern nur mit Verspätung starten, weil einer der Passagiere einen Schwächeanfall erleidet.

Zu den Abgeordneten aus Paris, die zu den Feiern besonders früh nach Berlin gekommen sind, gehört Pierre-Yves Le Borgn’. Am Morgen sitzt er einen Steinwurf vom Bundestag entfernt vor einem Kaffee. Der feingliedrige Mann fällt unter denen, die in diesen Tagen von der deutsch-französischen Aussöhnung in den ersten Nachkriegsjahren erzählen, durch sein Alter auf. Er ist erst 48. Während die Berichte vom Ende der Erbfeindschaft weiter vor allem durch die Generation von Staatsmännern wie Helmut Schmidt oder Helmut Kohl geprägt werden, hat die deutsch-französische Saga der letzten 70 Jahre mit Le Borgn’ einen relativ jungen Erzähler gefunden. „Dieser Tag bewegt mich sehr“, sagt er.

Das wirkt nicht aufgesetzt, denn der sozialistische Abgeordnete aus dem bretonischen Quimper hat eine persönliche Geschichte, die viel mit Deutschland zu tun hat. Der eine Großvater wurde gleich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs während Hitlers Überfall auf Frankreich getötet, der andere geriet in der Nähe von Lüneburg in eine fünfjährige Kriegsgefangenschaft. Es hätte für seine beiden Großmütter also genug Gründe gegeben, den kleinen Pierre-Yves die Furcht von den Deutschen zu lehren. Aber genau das Gegenteil geschah. Die Frauen brachten ihm frühzeitig nahe, dass er keine Angst vor den Nachbarn östlich des Rheins haben müsse. Le Borgn’ lernte ganz jung Deutsch – und heute ist er Vorsitzender der französisch-deutschen Parlamentariergruppe in der Nationalversammlung.

Im Bundestag wird es später eng, aber die Hausmeister haben durch die mehr als 1000-köpfigen Bundesversammlungen ja Routine, Platz zu schaffen, und nun sitzen die Parlamentarier politisch in erfrischend bunter Reihenfolge. National gemischt geht es auch auf der Regierungsbank zu. Es wird viel Kluges, Bewegendes und Bedenkenswertes gesagt von Parlamentspräsident Norbert Lammert und seinem französischen Kollegen Claude Bartolone, der für einen gemeinsamen Weg Hand in Hand in die Zukunft wirbt, von Hollande, von Merkel – die seit Montagabend mit Frankreichs Staatschef per Du ist – und weiteren. Es darf zudem durchaus im Bundestag auch gelacht werden an diesem staatstragenden Tag. Und dann wird es doch wieder sehr emotional, als Unions-Fraktionschef Volker Kauder den Blick nach vorn richtet. Er erinnert daran, dass die Gegenwart für die Jugend vieler Länder düster ist. Es klingt wie eine Selbstverpflichtung, als er sagt: „Wir müssen dieser Jugend versprechen, dass wir uns um ihre Ausbildung, um ihre Jobs, um ihre Zukunft kümmern.“

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