53 Stunden Terror in Frankreich : Hunderttausende gedenken der Terror-Opfer

Nach drei Tagen Terror gilt für Frankreich längst noch keine Entwarnung: Hayat Boumeddiene, die Freundin des Pariser Geiselnehmers, soll sich zum Zeitpunkt der Taten in der Türkei aufgehalten haben. 700.000 Menschen beteiligen sich an Mahnwachen und Schweigemärschen. Die jüngsten Ereignisse im Liveticker.

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In Nizza sind zehntausende auf der Straße und gedenken der Terror-Opfer.
In Nizza sind zehntausende auf der Straße und gedenken der Terror-Opfer.Foto: AFP

Drei Tage stand Frankreich unter höchstem Terroralarm. Am Freitagabend wurden drei Terroristen getötet, aber auch vier Geiseln. Nach mindestens einer Person wird noch gefahndet - und Frankreich trauert.

22:30 Uhr: Zusammenfassung

Nach den Anschlägen radikaler Islamisten in Paris fahnden die französischen Behörden weiter mit Hochdruck nach einer 26-jährigen Komplizin. Hayat Boumeddiene sei bewaffnet und gefährlich, erklärte die Polizei. Der Aufenthaltsort von Boumeddiene ist unklar. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, sie sei bereits am 02. Januar von Madrid nach Istanbul geflogen. Sie sei dabei von einem Mann begleitet worden und habe ein Ticket für einen Rückflug am Freitag (09. Januar) gehabt. Diesen Flug habe sie nie angetreten. Der Insider berichtete unter Berufung auf die türkischen Behörden weiter, Boumeddiene sei am Donnerstag über die Türkei nach Syrien gereist.

Der Chef der Police Nationale, Jean-Marc Falcone, sagte dem Fernsehsender BFM, die Sicherheitskräfte konzentrierten sich darauf, die 26-Jährige zu finden. “Wir fordern sie auf, sich der Justiz zu stellen.“ Auf einem Fahndungsfoto ist Boumeddiene unverschleiert und mit langem Haar zu sehen. Französische Medien veröffentlichten jedoch Bilder, auf denen die Frau mit Ganzkörperschleier und Armbrust zu sehen sein soll. Den Berichten zufolge ist sie eines von sieben Kindern. Ihre Mutter sei gestorben, als sie noch klein gewesen sei. Ihr Vater sei Lieferant gewesen und habe Schwierigkeiten gehabt, zu arbeiten und sich um die Familie zu kümmern. Als Erwachsene sei Boumeddiene zum Islam übergetreten und habe ihre Stelle als Kassiererin verloren, als sie begonnen habe, einen Gesichtsschleier zu tragen.

Unterdessen steht Frankreich noch immer unter Schock. Am Samstag beteiligten sich 700.000 Menschen an Gedenkveranstaltungen für die insgesamt 17 Opfer. Allein in Toulouse gingen 120.000 auf die Straße.

Am Sonntag ist in Paris zudem ein Schweigemarsch geplant, an dem auch Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister David Cameron teilnehmen wollen. Die Polizei ist wegen der Veranstaltung in höchster Alarmbereitschaft.
Etliche Polizisten und Soldaten liefen auch am Samstag in der Millionenmetropole Streife. An der Fahndung nach den beiden Islamisten, die bei dem Überfall auf die Wochenzeitung “Charlie Hebdo“ zwölf Menschen töteten, hatten sich fast 90.000 Sicherheitskräfte beteiligt. Die beiden Brüder wurden schließlich bei einem Polizeieinsatz am Freitag erschossen. Auch ein dritter Islamist, der in einem jüdischen Supermarkt Geiseln nahm, wurde getötet.

19:50 Uhr: Hamas verurteilt die Anschläge von Paris

Die radikalislamische Hamas hat die Anschläge von Paris verurteilt. Für die Tötung von Unschuldigen gebe es keine Rechtfertigung, erklärte die im Gazastreifen herrschende Organisation am Samstag. Sie wird von den meisten westlichen Staaten als Terrorgruppe eingestuft. Die Erklärung wurde auf Französisch veröffentlicht, was nur selten vorkommt.
Die Hamas kritisierte zugleich die israelische Regierung. Diese versuche “hilflos“, Parallelen zwischen dem Widerstand gegen Israel und dem Terrorismus in der ganzen Welt zu ziehen.

18:05 Uhr: Hayat Boumeddiene soll in die Türkei gereist sein

Die unter Hochdruck gesuchte Partnerin des von der Polizei erschossenen islamistischen Geiselnehmers Amedy Coulibaly ist offenbar in die Türkei gereist. Die 26-jährige Hayat Boumeddiene sei schon "seit einer gewissen Zeit" in der Türkei, sagte ein Polizeivertreter am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Zum Zeitpunkt der Taten habe sich Boumeddiene aber höchstwahrscheinlich bereits in der Türkei aufgehalten, sagte der Polizeivertreter. Die Ermittler versuchen nun herauszufinden, ob Boumeddiene von der Türkei aus nach Syrien weiterreiste.

17:15 Uhr: "Zeigt mit diesem Schweigemarsch, dass wir ein Volk sind, das niemals schweigen wird"

Rund 700.000 Menschen haben am Samstag in ganz Frankreich an Mahnwachen für die 17 Opfer der islamistischen und anti-semitischen Anschläge der vergangenen Tage teilgenommen. Allein in Toulouse waren es nach offiziellen Angaben am Samstag 80.000 Teilnehmer. 30.000 Menschen versammelten sich in Nizza, eine ähnliche Zahl in der südwestlich gelegenen Stadt Pau. Kundgebungen mit mehr als 10.000 Teilnehmern gab es in zahlreichen weiteren Städten im ganzen Land.
"Zeigt mit diesem Schweigemarsch, dass wir ein Volk sind, das niemals schweigen wird", war in Nizza auf einem Plakat zu lesen. Ministerpräsident Manuel Valls rief seine Landsleute auf, zu der am Sonntag geplanten Großkundgebung in Paris zu kommen. An der Veranstaltung wollten auch die Staats- und Regierungschefs zahlreicher Länder teilnehmen.

16:25 Uhr: Betroffenheit in Paris auch bei Kritikern von "Charlie Hebdo"

Unser Reporter Mohamed Amjahid ist in Paris unterwegs und sammelt Eindrücke nach den Tagen des Terrors. In einer Kirche traf er eine Frau, die sicher kein Fan von "Charlie Hebdo" ist: "Die Dame am Empfang in der Eglise Saint-Medard, im gleichnamigen Quartier im noblen fünften Arrondissement von Paris, will lieber anonym bleiben, wenn sie über ihre Meinung zur Satire sprechen soll: "Ein bisschen so wie bei der Beichte fühle ich mich dabei", sie lächelt im gelben Licht einer Tischlampe.

Denn Frankreich sei für Gläubige kein einfaches Terrain. Hier herrsche ein Krieg der Worte und der Bilder gegen jeden der glaubt. Auch wenn andere an das falsche bzw. das unvollständige glauben würden. Sie zitiert lange und geduldig die Bibel zwischendurch.

Nein, sie wolle und könne also "Charlie Hebdo" als gläubige Katholiken nicht gut finden. Immer wenn sie das Satiremagazin am Kiosk sah, hoffte sie, dass es nicht ihre religiösen Gefühle treffen würde. Oft war das aber doch der Fall: "Die sind schlimm", sagt sie. Regelmäßig habe sie deswegen für die Zeichner gebetet. Wie sie nun für die Opfer und die Attentäter der letzten Tage betet, so dass sie alle das Licht der Liebe sehen. Das sei ihr Beitrag, um Attentate, wie sie Paris nun erlebte zu verhindern."

15:55 Uhr: In Afghanistan feiern Hunderte den Anschlag auf "Charlie Hebdo"

Hunderte muslimische Gläubige in Afghanistan haben den tödlichen Anschlag auf die französische Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" gefeiert. Bei einer Kundgebung nach den Freitagsgebeten im Bezirk Chora im Süden des Landes seien die beiden Attentäter als "Helden" bezeichnet worden, teilte die Polizei am Samstag mit. Nach Ansicht der Demonstranten seien diejenigen bestraft worden, die den Propheten Mohammed beleidigt hätten. Die Teilnehmer hätten auch die Haltung von Präsident Aschraf Ghani kritisiert, der erklärt hatte, für eine solche brutale Tat gebe es keine Rechtfertigung.

14:36 Uhr: Zehntausende in Frankreich auf der Straße

In Frankreich haben am Samstag zehntausende Menschen der Opfer der Angriffe auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" und auf einen jüdischen Supermarkt in Paris gedacht. Vor der für Sonntag geplanten Großkundgebung in Paris gingen in Nizza, Pau, Orléans und anderen Städten zehntausende Menschen auf die Straße, um den Angehörigen und Freunden der Getöteten ihre Solidarität zu bekunden. Allein in der 80.000-Einwohner-Stadt Pau im Südwesten Frankreichs versammelten sich etwa 30.000 bis 40.000 Menschen.

14:00 Uhr: Zusammenfassung:

Frankreich bleibt auch am Tag nachdem die drei zentralen Figuren der Terrorattacken auf das Land getötet wurden, in höchster Alarmbereitschaft. Das französische Innenministerium hält die höchste Terrorwanrstufe für den Großraum Paris aufrecht. Die Zahl der Einsatzkräfte soll nochmal erhöht werden - auch weil eine Verdächtige noch auf der Flucht ist: Hayat Boumeddiene, dei Freundin des Geiselnehmers von Port Vincennes. Sie wird ebenso gesucht wie mögliche weitere Unterstützer der Terroristen. Weltweit gibt es an diesem Wochenende Solidaritätskundgebungen. In Frankreich wird für Sonntag zu einem "Republikanischen Marsch" aufgerufen, einem Trauermarsch. Es wird derzeit mit über 100.000 Menschen Daran werden auch zahlreiche internationale Politiker teilnehmen. Aus Deutschland werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Vizekanzler Sigmar Gabriel sowie Innenminister Thomas de Maizière erwartet.

Auch in Deutschland soll es eine große Demonstration in Berlin geben. Dazu hatte Gabriel am Freitag in einem Brief an Parteien, Religionsgemeinschaften, Sozialverbände und andere Organisationen aufgerufen. Merkel erklärte sich am Samstag dazu bereit. Wenn die Parteien in Deutschland zu einer solchen Veranstaltung aufriefen, "wird die Vorsitzende der CDU sicherlich nicht zu Hause sitzen", sagte Merkel am Samstag zum Abschluss der Vorstandsklausur ihrer Partei in Hamburg. Nach Angaben Merkels soll am Montag zwischen den Parteien darüber gesprochen werden, ob und für wann diese eine solche Initiative starten wollen. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass es in einigen Bundesparteien den Wunsch gäbe, Bundespräsident Joachim Gauck als Hauptredner einer solchen Großkundgebung zu gewinnen.

Hayat Boumedyen, die Frau rechts neben Coulibaly, ist noch auf der Flucht. Coulibaly und die Kouachi-Brüder sind tot.
Hayat Boumedyen, die Frau rechts neben Coulibaly, ist noch auf der Flucht. Coulibaly und die Kouachi-Brüder sind tot.Foto: dpa

13:31 Uhr: Terrorwarnung bleibt

Nach einem erneuten Krisentreffen im Elysée-Palast verkündete Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstagvormittag, die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate werde im Großraum Paris beibehalten. Die Sicherheitsmaßnahmen sollten sogar noch verstärkt werden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sollen im Großraum Paris - der Region Ile-de-France - in "zwei Wellen" 500 zusätzliche Soldaten eingesetzt werden. Damit seien am Samstag 1100 und am Sonntag 1350 Soldaten mobilisiert.

13:29 Uhr: Auch Steinmeier und Gabriel reisen nach Paris

Mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reisen auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und SPD-Chef und Vizekanzler Sigmar Gabriel am Sonntag zum Trauermarsch für die Opfer der islamistischen Anschläge in Paris. Das bestätigten das Auswärtige Amt sowie ein SPD-Sprecher am Samstag in Berlin. Am Freitagabend hatte Merkel ihre Teilnahme an der Kundgebung angekündigt, zu der auch zahlreiche andere europäische Staats- und Regierungschefs erwartet werden. Zu dem "Republikanischen Marsch" haben Parteien, Gewerkschaften und Verbände in Frankreich aufgerufen. Hunderttausende Menschen werden sich voraussichtlich anschließen. Steinmeier wolle mit seiner Teilnahme "ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit Frankreich und unserer gemeinsamen Trauer um die Opfer der brutalen Anschläge" setzen, verlautete aus dem Auswärtigen Amt. "Wir werden unsere europäischen Werte im Angesicht des Terrors gemeinsam verteidigen", hieß es weiter.

Weltweite Trauer nach Pariser Anschlag
Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".Weitere Bilder anzeigen
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10.01.2015 14:00Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".

13:23 Uhr: Jüdischer Weltkongress: Frankreich muss sich dem Islamismus entgegenstellen

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, hat Frankreich dazu aufgerufen, sich dem Islamismus entgegenzustellen. Nach den Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt müssten "alle Demokraten diesen Angriff auf die Grundwerte der Republik klar und eindeutig zurückweisen", sagte Lauder dem Tagesspiegel. "Freiheitsrechte, für die auch Frankreichs Juden über die Jahrhunderte hinweg gekämpft haben, dürfen nicht zur Disposition gestellt werden, um eine kleine Minderheit von Islamisten zu besänftigen."

Für Juden in Frankreich seien derzeit fanatisierte, radikale Muslime die größte Bedrohung. Es handele sich zwar um eine kleine Minderheit innerhalb der muslimischen Gemeinschaft in Frankreich, dennoch dürften Staat und Gesellschaft "keinen Fußbreit nachgeben und auch nicht nach vermeintlich rationalen Gründen für das Verhalten dieser Fanatiker suchen". Es sei zudem wichtig zu erkennen, dass sich islamischer Fundamentalismus nicht nur gegen Juden und Christen richte, sondern vor allem gegen Muslime. "Deshalb ist es höchste Zeit, dass die gemäßigten Muslime in Frankreich und im Rest Europas endlich aufstehen und sich diesem Terror entgegenstellen."

Lauder betonte zudem, dass eine Lösung des Nahostkonflikts nichts am Judenhass von Islamisten ändern würde. Selbst wenn Israelis und Palästinenser Frieden schlössen, "wäre weder das Terrorismusproblem gelöst noch der Syrienkonflikt, noch wäre das Abschlachten von Christen und Muslimen im Irak oder in Nigeria vorüber".

"Charlie Hebdo": die Fahndung, die Ereignisse
Der Moment des Zugriffs der Sicherheitskräfte beim Supermarkt in VincennesWeitere Bilder anzeigen
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09.01.2015 15:23Der Moment des Zugriffs der Sicherheitskräfte beim Supermarkt in Vincennes

12:54 Uhr: Alarm in Disneyland

Aufregung in Disneyland in Paris. Dort wurde ein Hotel evakuiert, nachdem es Meldungen über eine bewaffnete Person gab. Allerdings habe es sich um falschen Alarm gehandelt.

12:26 Uhr: Ein Held im Karton

In Frankreich ist dieser Mann ein Held - auch wenn er zurzeit aus der Öffentlichkeit gehalten wird und in psychologischer Betreuung steht, wie einige französische Medien schreiben. Der 26-Jährige hatte sich in einem Karton versteckt, als die beiden Terroristen mit einer Geisel in die Lagerhalle stürmten. Er blieb unbemerkt - und informierte die Polizei per SMS über die Beschaffenheit der Räume und über Gespräche der beiden Terroristen. 10 Stunden harrte er aus - unentdeckt.

Einen heimlichen Informanten hatte die Polizei auch in Paris bei der Geiselnahme in einem jüdischen Geschäft - den Geiselnehmer selbst. Denn er hatte nach einem Telefonat nicht richtig aufgelegt und so konnte die Polizei mithören, was er sagte, wie er sich verhalten hat. Telefoniert hatte er unter anderem mit dem Fernsehsender BFMTV. Dort hat er unter anderem davon gesprochen, dass er im Auftrag des "Islamischen Staates" handele, dass es bereits vier Tote gab und dass er sich mit den beiden "Charlie Hebdo"-Attentätern abgestimmt habe.

11:49 Uhr: Unser Reporter Mohamed Amjahid berichtet aus Paris

Nach den Anschlägen wirken die rot-weißen Absperrbänder bedrohlich auf die Pariser. Da! wieder ein Band! Am Gare du Nord! "Nur eine kurdische Demonstration für Syrien und Irak", klärt der Polizist die ängstlich fragenden Passanten geduldig auf. Die Antwort lautet immer: "Gott sei dank! Kurden!" Das rot-weiß gestreifte Band, dass zwischen zwei Straßenlaternen im Wind flattert, war in den letzten Tagen das Zeichen für "hier werden gleich Menschen sterben", diejenigen die es stundenlang im Fernsehen gesehen oder in der Realität vor sich hatten, was auf fast alle Pariser zutrifft, fragen vorsichtshalber nach, bevor sie entscheiden ob sie weiter laufen. Läuft doch noch Hayat Boumeddiene frei herum, die Lebensgefährtin des Attentäters von Porte de Vincennes.

Frankreich trauert um die Opfer des Attentats auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und die Opfer der Geiselnahme am Freitag in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris.
Frankreich trauert um die Opfer des Attentats auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und die Opfer der Geiselnahme am Freitag in...Foto: dpa

11:43 Uhr: Frankreichs Innenminister hält an Alarmzustand fest

Die Abwehrmaßnahmen und Warnungen wegen möglicher Anschläge bleiben in Frankreich unverändert auf der höchsten Stufe. Das kündigte Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstag nach einer Krisensitzung des Kabinetts in Paris an. Auch für den für Sonntag geplanten Solidaritätsmarsch wurden höchste Sicherheitsmaßnahmen betroffen, wie Regierungschef Manuel Valls ankündigte. Es werden zahlreiche europäische Regierungschefs erwartet. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) haben ihre Teilnahme angekündigt.

11:17 Uhr: Weitere Suche nach Unterstützern

Die drei Hauptverdächtigen, die beiden Brüder Kouachi, die das Attentat auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" verübt haben, sowie der Geiselnehmer Coulibaly, der erst am Donnerstag eine Polizistin und am Freitag bei einer Geiselnahme vier Menschen erschossen hat, sind tot. Allerdings gehen die französischen Sicherheitskräfte davon aus, dass sie Unterstützer hatten. Gesucht wird konkret nach der 26-jährigen Hayat Boummedienne, die Freundin von Coulibaly war. Derzeit befinden sich laut Le Monde noch fünf Personen in Gewahrsam, über die aber bisher wenig bekannt sei.

"Charlie Hebdo": die Fahndung, die Ereignisse
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09.01.2015 15:23Der Moment des Zugriffs der Sicherheitskräfte beim Supermarkt in Vincennes

10:40 Uhr: Neue Ausgabe von "Charlie Hebdo" soll in mehreren Ländern erscheinen

Die neue Ausgabe des französischen Satire-Magazins "Charlie Hebdo" soll neben Frankreich auch in mehreren weiteren Ländern erscheinen. Wie am Freitag aus Pressekreisen verlautete, soll das Magazin auf jeden Fall in Spanien und der Schweiz verbreitet werden, doch verhandele der Vertreiber MLP auch mit Partnern in weiteren Ländern wie Kanada. Die am kommenden Mittwoch erscheinende Ausgabe ist die Erste seit dem blutigen Anschlag am Mittwoch auf die Redaktion in Paris, bei dem zwei Islamisten zwölf Menschen töteten, darunter vier Zeichner.

Die "Ausgabe der Überlebenden" soll statt der üblichen 60.000 Exemplare mit einer Auflage von einer Million gedruckt werden. Den Angaben zufolge wollen auch Länder, die sonst allenfalls eine Handvoll Exemplare abnehmen, dieses Mal mehrere tausend anfordern. Der neue Chefredakteur des Magazins, Gérard Biard, kündigte am Freitag an, dass die Ausgabe Zeichnungen der gesamten Redaktion, einschließlich der vier getöteten Karikaturisten, enthalten werde.

Weltweite Trauer nach Pariser Anschlag
Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".Weitere Bilder anzeigen
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10.01.2015 14:00Aus Stiften und Kerzen geformt: "Ich bin Charlie".

Die Ausgabe erscheint mit Unterstützung anderer Zeitungen sowie der Pressevertreiber, die für die neue Ausgabe kein Geld nehmen wollen. "Charlie Hebdo" litt bereits vor dem Anschlag unter schweren finanziellen Problemen. Die überlebenden Mitarbeiter waren nach dem Anschlag gezwungen, ihre Redaktionsräume zu verlassen und bei der Zeitung "Libération" Zuflucht zu suchen. "Charlie Hebdo" ist für islamkritische Karikaturen bekannt. Die Attentäter gaben selber an, mit ihrem Anschlag den Propheten Mohammed "gerächt" zu haben.

10:20 Uhr: Deutsche Polizei pocht nach Anschlägen von Paris auf Vorratsdatenspeicherung

Die deutsche Polizei pocht nach den Anschlägen von Paris erneut auf die Einführung der Vorratsdatenspeicherung. Aufgrund gesammelter Kommunikationsdaten könne man nach einem Anschlag feststellen, mit wem die Täter in den Wochen zuvor gesprochen, wo sie sich aufgehalten und welche Internetseiten sie besucht hätten, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, am Samstag im Deutschlandfunk. Auf diese Weise sei es möglich, die Struktur extremistischer Gruppen zu erkennen und gegen sie vorzugehen.

Die Anschläge in Frankreich hätten gezeigt, dass es wichtig sei, "in die Vergangenheit, das heißt in die Kommunikationsvergangenheit dieser Terroristen zu schauen", sagte auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, dem Sender n-tv. "Deshalb ist die Vorratsdatenspeicherung so wichtig." Es gehe nicht darum, "Eierdiebe zu fangen, sondern um wirklich sehr, sehr gefährliche Terroristen".
Forderungen nach der Vorratsdatenspeicherung waren am Freitag auch erneut von Unionspolitikern erhoben worden. Allerdings hatten das Bundesverfassungsgericht sowie der Europäische Gerichtshof (EuGH) bisherige Regelungen dazu in den vergangenen Jahren für rechtswidrig erklärt.

Dokumente des Terrors
Verheerende Terroranschläge wie der auf die Pariser Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" haben in Europa eine lange Geschichte. Mitglieder der Terrororganisation "Schwarzer September" stürmten während der Olympischen Sommerspiele in München 1972 das Quartier der israelischen Mannschaft und nahmen elf Geiseln.Weitere Bilder anzeigen
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07.01.2015 15:17Verheerende Terroranschläge wie der auf die Pariser Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" haben in Europa eine lange Geschichte....


Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lehnte neue, schärfere Gesetze als Reaktion auf die Anschläge erneut ab. "Terroristen werden wir mit der ganzen Härte des Rechtsstaats verfolgen", sagte Maas der "Bild"-Zeitung vom Samstag. Allerdings hätten auch schärfere Gesetze in Frankreich die Anschläge nicht verhindern können. "Überreaktionen sind genau das, wo uns die Terroristen hintreiben wollen", warnte Maas weiter.
Zwei islamistische Attentäter hatten am Mittwoch die Redaktion der Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" überfallen und insgesamt zwölf Menschen erschossen. Nach einer Geiselnahme am Freitagmorgen wurden sie bei Schusswechseln mit der Polizei getötet. Ein islamistischer Gesinnungsgenosse der beiden tötete am Donnerstag am südlichen Stadtrand von Paris eine Polizistin. Er nahm dann am Freitag in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris mehrere Menschen als Geiseln. Bei der Erstürmung erschoss die Polizei den Mann. Insgesamt kamen dort mindestens fünf Menschen ums Leben.

9:55 Uhr: Erneute Krisensitzung mit Hollande im Élysée-Palast

Nach der beendeten doppelten Geiselnahme in Frankreich hat Staatspräsident François Hollande am Samstagmorgen erneut Minister und Sicherheitsdienste zu einer Krisensitzung zusammengerufen. Neben einer Bilanz der Polizeieinsätze gegen die drei islamistischen Terroristen sollte der große Solidaritätsmarsch am Sonntag in Paris im Vordergrund stehen. An der Kundgebung für die Opfer des Anschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ wollen zahlreiche europäische Regierungschefs teilnehmen. Frankreichs Premier Manuel Valls hatte gesagt, der „republikanische Marsch“ vier Tage nach dem Anschlag mit zwölf Toten werde durch ein massives Sicherheitsaufgebot geschützt.

9:25 Uhr: USA rufen Bürger nach Terror in Frankreich zu erhöhter Vorsicht auf

Die US-Regierung hat ihre Bürger in aller Welt nach den Anschlägen in Frankreich zu erhöhter Vorsicht aufgerufen.
„Jüngste Terrorattacken, seien sie von jenen mit Verbindungen zu Terrororganisationen, von Nachahmern oder einzelnen Tätern, sind eine Erinnerung daran, dass US-Bürger ein hohes Maß an Wachsamkeit aufrechterhalten müssen“, hieß es in einer Mitteilung des US-Außenministeriums vom Freitag. Amerikaner im In- und Ausland müssten „angemessene Schritte unternehmen, um ihr Sicherheitsbewusstsein zu erhöhen“. Bei mehreren Attacken waren in Frankreich in den vergangenen Tagen mindestens 17 Menschen getötet worden.

9:10 Uhr: Al-Kaida-Ableger droht Frankreich mit weiteren Anschlägen

Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat Frankreich mit weiteren Anschlägen gedroht. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu „bekämpfen“, schrieb die Dschihad-Beobachtungsplattform Site am Freitagabend. Sie berief sich auf eine per Video verbreitete Rede von Harith bin Ghasi al-Nadhari, einer der wichtigsten Glaubenshüter der Gruppe. „Einige der Söhne Frankreichs waren respektlos gegenüber Allahs Propheten“, daher sei eine Gruppe von „gläubigen Soldaten Allahs“ gegen sie vorgegangen und habe ihnen Respekt beigebracht. Bei mehreren Terrorattacken waren in Frankreich in den vergangenen Tagen mindestens 17 Menschen getötet worden. AQAP ist einer der größten Ableger des weltweit agierenden Al-Kaida-Netzwerks. Die sunnitischen Extremisten nutzen den instabilen Jemen unter anderem als Rückzugsort und Rekrutierungsbecken. Einer der beiden mutmaßlichen Attentäter auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris hat nach Informationen von US-Medien ein Terror-Training im Jemen absolviert.

8:45 Uhr: Polizeigewerkschaft sieht „Sicherheitslücken“ in Deutschland

Die deutsche Polizei ist nach Einschätzung von Gewerkschaftschef Rainer Wendt im Kampf gegen den Terror gut aufgestellt, allerdings gebe es auch Defizite. „Es gibt große Sicherheitslücken zum Beispiel im Bereich der Luftsicherheit, der Luftsicherheitskontrollen an den Flughäfen. Und es gibt, vor allen Dingen in den Ländern, nach wie vor die Bereitschaft, viel Personal abzubauen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) am Samstag dem Nachrichtensender n-tv. „Dieses Personal fehlt uns unter anderem wenn es darum geht, sehr gefährliche Syrien-Heimkehrer zu beobachten und zu überwachen.“ Wendt zufolge sollen weitere 1000 Planstellen bei der Polizei gestrichen werden. „Das ist eine ganz fatale Entwicklung und ich kann nur hoffen, dass die Landesregierungen auch dies jetzt zum Anlass nehmen, diese Pläne noch einmal zu überdenken, denn das kann sich die Polizei überhaupt nicht erlauben, jetzt, in diesem Moment auch noch Personal abzubauen.“ Wendt sprach sich nach den Terrortaten in Frankreich für die Einführung der Vorratsdatenspeicherung aus. „Die brauchen wir ja nicht, um Eierdiebe zu fangen, sondern wirklich um sehr, sehr gefährliche Terroristen zu fangen, beziehungsweise, sie an weiteren Taten zu hindern.“

8:20 Uhr: Zusammenfassung

Es ist vorbei. Die Brüder Chérif und Saïd Kouachi sind tot. Die mutmaßlichen Attentäter auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" hatten sich am Freitagnachmittag in einer Druckerei in einem Industriegebiet östlich von Paris in der Stadt Dammartin-en-Goële verschanzt. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot, Hubschraubern und sogar Panzern an. Schüler mussten in den umliegenden Schulen in den Gebäuden bleiben. Die Ortschaft liegt unweit des Pariser Flughafens Charles de Gaulle, auf dem Flüge umgeleitet wurden. Ein Mann hatte sich in einem Karton verstecken und per Telefon die Fahnder informieren können. Die beiden Terroristen, die sich in einem anderen Teil des Industriegebäudes aufhielten, haben den Mann nach bisherigem Erkenntnisstand nicht entdeckt. Der Mann habe die Polizei detailreich über die Örtlichkeit informiert. Am Abend wurden die mutmaßlichen "Charlie Hebdo"-Attentäter schließlich getötet, als sie schießend aus der Lagerhalle, in der sie sich verschanzt hatten, stürmten. Die Attentäter handelte nach eigenem Bekunden im Auftrag von Al-Kaida.

Amedy Coulibaly, ein islamistischer Gesinnungsgenosse der Brüder hatte am Freitag in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris mehrere Menschen als Geiseln genommen. Bei dem Geiselnehmer handle es sich um den selben Mann, der auch am Donnerstag am südlichen Stadtrand von Paris eine Polizistin ermordet hatte. Bei der Erstürmung erschoss die Polizei Coulibaly. Vier weitere Menschen wurden bei der Geiselnahme getötet.

8:05 Uhr: Twitter-Hashtag #JeSuisCharlie mehr als fünf Millionen Mal verwendet

Nach dem Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat sich der Slogan „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) als Zeichen der Solidarität in Windeseile weltweit verbreitet: Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wurde der Hashtag #JeSuisCharlie nach der Attacke vom Mittwoch bisher mehr als fünf Millionen Mal benutzt. Das teilte Twitter France am Freitagabend auf seiner Twitter-Seite mit. Der Hashtag wurde von Nutzern auf allen Kontinenten verwandt, wie auf einer entsprechenden Karte zu sehen ist - der Schwerpunkt liegt in Europa und an der Ostküste der USA.

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