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61. Tag im NSU-Prozess : Zschäpes Cousin: "Skinhead ist Party, Spaß, ab und zu eine Prügelei"

Beate Zschäpes Cousin beschreibt im NSU-Prozess in einfachen Worten die tumbe Welt der Rechtsextremen. Seine Aussagen machen die Biografie Zschäpes in Bruchstücken sichtbar.

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Stefan A. ist der Cousin von Beate Zschäpe.
Stefan A. ist der Cousin von Beate Zschäpe.Foto: dpa

Rechte Skinheads gelten als tumb und brutal. Und dass es so ist, hat am Mittwoch ein ehemaliger Kahlkopf im NSU-Prozess am Oberlandesgericht  in dürftiger Sprache anschaulich bestätigt. „Skinhead ist Party, Spaß, ab und zu eine Prügelei“, nuschelt Stefan A., „das war unsere ganze Lebensweisheit“. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Manfred Götzl zu seiner damaligen Einstellung sagt Stefan A., „rechtsgerichtet, gegen Staat, gegen Ausländer, gegen Linke, gegen alles“. Getragen habe er „Bomberjacke, Stiefel, kurze Haare“.

Stefan A. ist der Cousin von Beate Zschäpe

Die Aussage des aus Jena stammenden, 39-jährigen Handwerkers, der heute auf Mallorca lebt, wäre kaum mehr als makabere Folklore, hätte Stefan A. nicht eine als berüchtigt geltende Verwandte. Die Hauptangeklagte Beate Zschäpe ist seine Cousine – und das war für Stefan A. ausgerechnet in der rechten Szene mit Problemen verbunden.

Der mit Zschäpe schon Mitte der 1990er Jahre eng befreundete, spätere NSU-Mörder Uwe Mundlos lehnte Stefan A. ab, weil der nicht ernsthaft genug das Rechts-Sein verkörperte. „Uwe Mundlos war mit meiner Lebenseinstellung nicht einverstanden“, sagt Stefan A., „ich hab’ getrunken, er hat mich als ,Assi’ bezeichnet“. Das sei etwa zwei Jahre vor dem Abtauchen von Zschäpe, Mundlos und Uwe Böhnhardt gewesen, also 1996. Der Kontakt zu Mundlos war damit beendet, der zur Cousine nahm rapide ab. Obwohl Stefan A. mit ihr in der Kindheit viel zusammen war.

Zschäpes Biografie wird in Ansätzen erkennbar

Am 61. Tag im NSU-Prozess wird zumindest stückweise die Biografie von Zschäpe erkennbar, die frühen Jahre vor dem Gang in den Untergrund. Beate sei mit ihrer Mutter zerstritten gewesen, sagt der Zeuge, „sie war halt mehr bei ihren Großeltern gewesen“. Mutter Annerose Zschäpe ist auch für diesen Tag als Zeugin geladen, auf 13 Uhr, doch eine Stunde zuvor verkündet Richter Götzl, die Befragung von Stefan A. werde auch nach der Mittagspause fortgesetzt. Zschäpes Mutter kann die Aussage verweigern, da sich vor Gericht niemand über einen nahen Angehörigen äußern muss. Und so kommt es dann auch. Annerose Zschäpe sagt mit weicher Stimme zweimal „nein“. Sie will nicht aussagen und sie will auch nicht, dass ihre Angaben bei der polizeilichen Vernehmung vom 15. November 2011 in den Prozess eingeführt werden. Ihr Auftritt, gemeinsam mit einem Münchener Anwalt, dauert ganze fünf Minuten. Tochter Beate zeigt, wie auch sonst oft, ein Pokerface.

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