Absturz der Liberalen : "Keine Sau braucht die FDP"

Es sollte eine originelle Wahlkampfpointe sein - doch die Strategie der FDP ging nicht auf: Die Wähler nahmen sie beim Wort und wählten sie aus den Landtagen in Brandenburg und Thüringen.

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Der Schuss ging nach hinten los: Die FDP ist raus aus den Landtagen in Brandenburg und Thüringen.
Der Schuss ging nach hinten los: Die FDP ist raus aus den Landtagen in Brandenburg und Thüringen.Foto: dpa

Zumindest haben sie alles versucht. In Brandenburg ging die FDP im Wahlkampf mit Sprüchen wie „Keine Sau braucht die FDP“ in die Werbeoffensive – und scheiterte grandios: Die Hochrechnungen sahen sie am Sonntagabend bei 1,4 Prozent. Die FDP-Spitze des Landes reagierte umgehend und trat zurück. Landeschef Gregor Beyer und sein Stellvertreter, Spitzenkandidat Andreas Büttner, stellten ihre Ämter zur Verfügung. Bis zur Neuwahl eines Landesvorstandes werden er und Büttner die Geschäfte kommissarisch weiterführen.

In Thüringen versuchte es die FDP ähnlich originell: „Wir sind dann mal weg“, stand auf den Plakaten mit dem Konterfei des Spitzenkandidaten Uwe Barth – und weiter unten: „... genauso wie die Schulnoten“ oder „... genauso wie die Landärzte“ oder „... genauso wie der Mittelstand“. Soll heißen: Nur die Liberalen seien die Garanten für die Erhaltung des Bewährten, des Unverzichtbaren. Doch die in dem Slogan enthaltene Resignation machte schon deutlich, dass wohl nicht einmal der 50-jährige Diplomphysiker Barth selbst daran glaubte, die Landtagsfraktion auch weiterhin führen zu können. Und tatsächlich landete die Partei auch in Thüringen weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Auf Bundesebene richtet sich die Aufmerksamkeit langfristig auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, die 2016 stattfinden – und auf die Bundestagswahl 2017. Für Parteichef Christian Lindner ist entscheidend: Erst wenn die FDP wieder in den Bundestag einzieht, wird sie auch für die Medien wieder interessanter. Aber dass die Chancen auf Rückkehr ins bundesdeutsche Parlament umso geringer sind, je mehr die Liberalen in den Bundesländern aus dem Fokus geraten, ist natürlich auch klar.

Und dann gibt es da noch dieses andere Schreckgespenst: Hamburg. Ausgerechnet dort, wo die nächsten Wahlen steigen, nämlich am 15. Februar 2015, und wo Lindner und sein Vize Wolfgang Kubicki gehofft hatten, vielleicht sogar ein Bündnis mit der SPD zu schmieden – ausgerechnet dort zerlegt sich gerade die FDP. Die einstige Vorsitzende des Landesverbandes, Sylvia Canel, ist aus der Partei ausgetreten und kündigt die Gründung einer neuen liberalen Bewegung an. Für Parteichef Lindner eine Katastrophe: Jetzt droht auch noch die Spaltung.

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