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AfD-Chef : AfD ohne Bernd Lucke? Oder nur ein "größerer Auftritt"?

AfD-Chef Bernd Lucke will angeblich die Partei verlassen. Sachsens AfD-Chefin Frauke Petry bestätigt die Spekulationen, Lucke selbst will sich bisher nicht dazu äußern. Konrad Adam, der die Sache in die Welt setzte, erlärte dem Tagesspiegel genau, was er meinte.

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AFD-Chef Bernd Lucke.
AFD-Chef Bernd Lucke.Foto: dpa

Die Alternative für Deutschland (AfD) steht gut zwei Jahre nach ihrer Gründung vor einer Zerreißprobe. Der Ko-Vorsitzende der AfD, Konrad Adam, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend, er habe Indizien dafür, dass Parteichef Bernd Lucke seinen Austritt aus der AfD und die Gründung einer eigenen Partei vorbereite. Lucke ließ daraufhin über Parteisprecher Christian Lüth erklären, er kommentiere keine Gerüchte.

Im Gespräch mit dem Tagesspiegel bestritt Adam, dass er das gesagt habe. Aber es gebe Indizien für einen größeren Auftritt Luckes in einer Woche. Er, Adam, wolle wissen, was es damit auf sich habe. "Mich treibt die Sorge um, dass Lucke die Zukunft und das Gesicht der Partei verändern will. Deshalb möchte ich von ihm wissen, was er plant", sagte Adam dem Tagesspiegel. Lucke habe sich große Verdienste beim Aufbau der AfD erworben. "Ich frage ihn nun, ob er bei der Zerstörung der Partei auch vorangehen will. Das hoffe ich nicht."

Dem Vernehmen nach soll Lucke bereits mit Vertrauten Pläne für die Gründung einer neuen Partei schmieden. Diese wolle er noch in diesem Monat öffentlich verkünden, falls sich abzeichnen sollte, dass beim Bundesparteitag in Kassel Mitte Juni auch einige seiner Widersacher in den neuen Vorstand gewählt werden, schreibt dpa. In den vergangenen Wochen hatte es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem nationalkonservativen Flügel und dem bürgerlich-liberalen Flügel der Partei gegeben, zu dem Lucke gehört.

Zu seinen Kritikern zählen unter anderem der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland, die Co-Vorsitzende und sächsische Landeschefin, Frauke Petry, sowie der Thüringer Fraktionsvorsitzende Björn Höcke und Marcus Pretzell aus Nordrhein-Westfalen. Gauland hatte Lucke mehrfach vorgeworfen, er fokussiere sich stark auf den bürgerlichen Mittelstand, obwohl die AfD unter den "kleinen Leuten" ein größeres Wählerpotenzial habe.

Im April hatte der frühere Industriemanager Hans-Olaf Henkel sein Amt als stellvertretender AfD-Bundesvorsitzender niedergelegt. Er begründete dies mit dem Versuch von "Rechtsideologen", die Partei zu übernehmen. Henkel wird dem Lucke-Flügel zugerechnet.

Adam zeigte sich bestürzt über Luckes angebliche Austrittspläne. Er sagte: "Das wäre sicher ein Rückschlag." Adam gehört wie Lucke zu den Gründungsmitgliedern der Partei. Die AfD war Anfang 2013 von Gegnern der Eurorettungspolitik der Bundesregierung gegründet worden. Später war die Kritik an der aktuellen Asylgesetzgebung als weiteres wichtiges Thema hinzugekommen.

Sachsens AfD-Chefin Frauke Petry bestätigte, dass es entsprechende Gerüchte gebe. Die Gerüchte selber wurden nicht bestätigt. (mit dpa)

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