AfD : Der seltsame Kredit des Hans-Olaf Henkel

Hans-Olaf Henkel sagt, er gewähre der AfD einen Kredit über eine Million Euro. Merkwürdig ist: Selbst die Mitglieder des AfD-Bundesvorstands wussten bei der Abstimmung nicht, wer der Kreditgeber ist. Das Darlehen wirft noch weitere Fragen auf.

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AfD-Spitze: Hans-Olaf Henkel (links) und Bernd Lucke.
AfD-Spitze: Hans-Olaf Henkel (links) und Bernd Lucke.Foto: dpa

Nur das engste Umfeld von AfD-Chef Bernd Lucke, darunter Schatzmeister Piet Leidreiter, war im Bilde darüber, wer der geheimnisvolle Großkreditgeber ist, der der Partei im Europawahlkampf mit mehr als 600.000 Euro unter die Arme greift. Auch die Mitglieder des Bundesvorstands konnten nur rätseln, über wessen Darlehensangebot sie da am 8. April abstimmten.

Wurde erst nach der Wahl Henkels über den Kredit gesprochen?

Bis sich der stellvertretende Parteichef und zweite Spitzenkandidat Hans-Olaf Henkel zu Wort meldete. Höchstpersönlich ließ er Anfang Mai mitteilen, dass das Geld von ihm stamme – und er bei dieser Gelegenheit auf 1 Million Euro aufstocke. Trotzdem gibt sich die Partei merkwürdig zugeknöpft, wenn es um die Hintergründe der Kreditfinanzierung geht. Dies hat an der Basis inzwischen sogar für Spekulationen gesorgt, ob das Geld tatsächlich von Henkel stammt. Lucke betont dagegen: „Das ist falsch. Der Kredit stammt von Henkel. Es gibt keine Strohmann-Funktion.“ In gut informierten AfD-Kreisen war in diesem Zusammenhang noch zwei Tage vor der Henkel-Erklärung der Name eines Berliner Unternehmers genannt worden.

Widersprüchlich bleibt allerdings auch der Zeitpunkt der Kreditvergabe. Konkrete Fragen danach wehrte Lucke in der vergangenen Woche mit der Bemerkung ab, es gehe hier um „private Gespräche zwischen Herrn Henkel und mir“, die niemanden etwas angehen würden. Dabei ist der Zeitpunkt nicht ganz unwichtig: Ende März kandidierte Henkel auf dem AfD-Parteitag in Erfurt für das Amt des stellvertretenden Parteichefs. Knapp gewann er die Wahl gegen den Bielefelder Anwalt Marcus Pretzell.

Zumindest aus der Sicht eines einfachen AfD-Mitglieds wäre es da schon von Interesse gewesen, ob bei einem der Kandidaten auch privates Geld im Spiel ist. Sollte Henkel tatsächlich den Kredit gewährt haben, dann wäre die AfD womöglich finanziell auf ihn angewiesen. „Henkel kauft sich eine Partei“, wird an der AfD-Basis bereits gelästert. Dabei sei der Ex-BDI-Chef bei Spenden bis dahin eher knauserig gewesen.

Merkwürdig ist, warum Henkel nicht gleich einen Kredit gab

Henkel sagt, dass es Gespräche zwischen ihm und Lucke über das Darlehen erst nach dem Erfurter Parteitag gegeben habe. Er schildert die Sache so, dass es lange Bemühungen gegeben habe, einen Kreditgeber zu finden: „Und wir haben keinen gefunden.“ Erst danach habe er gesagt: „Okay, dann mache ich es.“

Unbeantwortet bleibt damit die Frage, warum die AfD angeblich erst monatelang nach einem Kreditgeber suchte – wo doch Henkel offenbar nur seinen Kugelschreiber zücken musste. Merkwürdig ist auch die Begründung, mit der sich Henkel outete: Er bezog sich auf einen Bericht der „Welt“, die geschrieben hatte, Henkel habe sich in der Vorstandssitzung am 8. April enthalten, weil er keine Mithaftung habe übernehmen wollen. Das habe ihm massiv geschadet in der Partei, sagt Henkel. Aus der AfD-Spitze hört hingegen man anderes – niemand aus der Partei habe sich über Henkels Abstimmungsverhalten beschwert, heißt es dort.

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