AfD im Bundestag : Sie werden bald sehen, wen sie gewählt haben

Nichts hat geholfen, die Wähler vom Votum für die AfD abzubringen. Aber trotz aller Aufregung stimmt auch: Sie bleiben eine Randgruppe. Ein Kommentar.

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Freude bei der AfD: Alexander Gauland, Alice Weidel und Jörg Meuthen
Freude bei der AfD: Alexander Gauland, Alice Weidel und Jörg MeuthenFoto: Reuters/Wolfgang Rattay

Die AfD hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2013 mäandernd entwickelt – einer der Gründer, Hans-Olaf Henkel, sieht sich heute in der Rolle von Victor Frankenstein: „Wir haben ein Monster geschaffen.“ Aber anders als Frankensteins Monster wird sich die AfD nicht vor Gram über die eigenen Taten ins Fegefeuer stürzen. Was auf den Bundestag zukommt, lässt sich mit Blick auf die AfD-Fraktionen in den Ländern ziemlich sicher vorhersagen: ressentimentgetriebene Opposition. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Wähler der AfD immun sind gegenüber den diversen „Strategien gegen rechts“: Es wirkt weder Ausgrenzung noch Einbindung, und auch die Anbiederung in Form der vermeintlichen Adaption von AfD-Themen wie beim so genannten Kanzler-Duell lief peinlich ins Leere.

Was bleibt? Zunächst einmal das Naheliegende: die Kräfteverhältnisse in die richtige Relation zur Aufregung zu setzen. Im Bundestag ist die AfD trotz ihres vermeintlichen, vor allem selbst so empfundenen Sieges eine in doppelter Hinsicht extreme Minderheit. Und sie wird dies unter Beweis stellen mit ihren monothematischen Reden und Anfragen, so wie das auch ihre Fraktionen in den Bundesländern tun. Ihr Treibstoff ist die Dauerempörung ihrer Gegner, aber der könnte so langsam zur Neige gehen: Dass die AfD zur einer revisionistischen Partei mutiert ist, muss nicht mehr bewiesen werden.

Hinter den Kulissen rumort es schon heftig

Ihr Spitzenkandidat Alexander Gauland hat es dankenswerter Weise noch einmal herausgestellt mit seiner Bemerkung zur Leistung der deutschen Soldaten in beiden Weltkriegen, die in einer Reihe steht mit den Äußerungen zur Holocaust-Rezeption des NS-begeisterten Björn Höcke. Der ewig-gestrige Flügel hat die innerparteiliche Schlacht gewonnen – damit nimmt die AfD zugleich aber auch Abschied von jeglichem Anspruch ihres gemäßigt-rechten Flügels, die Zukunft mit zu gestalten.

Im Wahlkampf hat das für viele Wähler und manche Funktionäre der Partei kaum eine Rolle gespielt: Hermetisch eingebunkert nahmen sie, den Erfolg vor Augen, nur noch wahr, was sie wahrnehmen wollten, Diskussion zwecklos, Argumente unerwünscht. Das wird sich ändern in den kommenden vier Jahren, vermutlich bereits in den kommenden vier Wochen. Hinter den Kulissen rumort es heftig, die politischen und persönlichen Konflikte werden schon bald offen aufbrechen. Vor allem aber dürfte auch bald dem letzten Trotzwähler klar werden, wer da alles in den Bundestag befördert wurde und dort, auf der großen Bühne, die deutsche Geschichte umschreiben möchte, angeblich im Namen des Volkes. Doch „das Volk“, für das die AfD zu sprechen behauptet, hat sich in großer Mehrheit entschieden: gegen völkisches Denken und rassistisches Reden.

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