AfD-Jugend gegen Feminismus : Für Hausfrauen und gegen Vorstandschefinnen

Mit Sprüchen wie "Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist" wirbt die Alternative für Deutschland bei Facebook um rechts-konservative Sympathien.

Livia Gerster
Facebook-Kampagne der Jungen Alternative für Deutschland
Facebook-Kampagne der Jungen Alternative für DeutschlandFoto: Sreenshot

Die AfD-Jugend wettert bei Facebook gegen Feminismus. Junge Männer und Frauen posieren mit selbstgemalten Plakaten auf denen sie erklären, warum Quote doof und Gleichberechtigung Wahnsinn ist.

Eines haben sie damit schon erreicht: Nun weiß man, dass die AfD, bisher eher als Rentner-Partei bekannt, auch eine Jugendorganisation hat. Da aber die Mutterpartei bereits gegen den Euro, Einwanderer und Homosexuelle ist, blieben dem Nachwuchs nur noch die Frauen. Und was ihnen dazu einfällt, klingt sehr nach dem Schlagen von Schlachten, die längst geschlagen sind, aber eben noch nicht für alle.

Also halten ziemlich junge Frauen und Männer Schilder in die Höhe, um bei Facebook gegen Quote und „Genderwahnsinn“ zu protestieren und ihre Mütter gegen die forschen Karriere-Frauen zu verteidigen: „Ich bin kein Feminist, weil eine Mutter genauso wertvoll ist, wie eine Vorstandschefin!“, sagt da ein unschuldig drein schauender Junge mit Seitenscheitel. 80 Kommentare, 38 mal geteilt, 285 Personen gefällt das. Eine junge Frau schreibt in Schönschrift: „Ich bin keine Feministin, weil Hausfrau sein auch ein Beruf ist“

"Vernunft statt Genderwahn"

„Ich bin kein Feminist, weil Familie wichtiger ist als Karriere und ich den Genderwahn stoppen will“, bekennt ein junger Mann. Heißt das etwa, dass er seine eigene Karriere der Familie unterordnen will? Nein, erklären Gleichgesinnte in den Kommentaren, da der Mann ja immer mehr verdiene als die Frau, sei es doch logisch, dass sie zu  Hause bleibe…

Wo der eine die Familie über die Karriere stellt, stell der nächste die „Vernunft über Genderwahn“. Eine Zeichnung darunter versieht die Symbole für Frau und Mann je mit einem Häkchen, ein zusammengesetztes Symbol aus beiden ist durchgestrichen, was wohl heißen soll: Frauen sind Frauen, und Männer sind Männer, und so sollen sie sich auch bitte verhalten. Für Schwule, Lesben, Transsexuelle und alle anderen, die sich nicht in Geschlechterrollen pressen lassen, ist bei der AfD kein Platz.

Shitstorm gegen feministische Aktion der Jusos

 „Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“ ist das Motto dieser Facebook-Aktion der jungen AfD, die sich als Antwort auf die pro-feministische Aktion der Jusos verstanden wissen will. Zum Frauentag hatten die Münsteraner Jusos mit Plakaten auf die gesellschaftliche Benachteiligung von Frauen aufmerksam gemacht. „Ich bin FeministIn, weil…“ „…ich keinen Bock mehr auf gläserne Decken hab“, „es immer noch scheißwenig Frauen in Führungspositionen gibt“ und „wer die menschliche Gesellschaft will, die männliche überwinden muss!“, hatten sie auf ihre Schilder geschrieben.

Eine nette Aktion zum Frauentag, würde man meinen. Um mal wieder daran zu erinnern, dass die Frauen in unserer Gesellschaft noch weit von der Gleichberechtigung entfernt sind. Dass Frauen immer noch weniger verdienen, seltener in Führungspositionen kommen und ständig  gegen Vorurteile kämpfen müssen. Kann das wirklich provozieren? Offenbar schon, wie die Reaktionen zeigten. Juso-Sprecher Matthias Glomb berichtet von einem regelrechten Shitstorm im Netz. „Warmduscher“, „Pussy“, und „Schwuchtel“, seien da noch die nettesten Beschimpfungen gewesen.

 Nazis greifen die Aktion auf

Gerade Männer, die sich zum Feminismus bekennen, scheinen die Machos unserer Gesellschaft zu verunsichern. Und von denen gibt es anscheinend noch einige. Die hat die junge Alternative nun versammelt – gemeinsam mit ein paar starken Frauen, die es auch ohne Quote schaffen wollen, und ein paar niedlichen Mädchen, die eben einen starken Mann an ihrer Seite brauchen.

Auf große Begeisterung stießen sie damit bisher vor allem bei den jungen Nationaldemokraten, der jungen Freiheit und diversen Tiroler Seperatistenbewegungen. Sie griffen die Aktion sofort auf und verbreiteten sie. Damit verstärkte sich der Eindruck, der sich schon länger aufdrängt: Die AfD ist eine modernere, gebildetere, wohlhabendere NPD.

Es gehe hier nicht um Frauenfeindlichkeit, bemüht sich der Bundesvorsitzende der jungen Alternative Philipp Ritz zu erklären, aber: „Irgendwann muss man doch sagen: Das Ziel ist erreicht, die Gleichberechtigung so gut wie selbstverständlich“. Und warum gibt es dann in der AfD kaum Frauen? „Männer interessieren sich halt mehr für Wirtschaft und Finanzen.“

Die „Taz“ hat bereits ein paar weitere Ideen für die junge Alternative gesammelt. Zum Beispiel: „Ich will die deutsche Reichsmark… damit eine Kugel Eis wieder eine Mark kostet.“

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