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Afghanistan : Taliban bekennen sich zu Tötung von französischen Soldaten

Nach dem Tod von vier französischen Soldaten wird Frankreich in Afghanistan vorerst keine Militäreinsätze mehr unternehmen - und Präsident Nicolas Sarkozy schließt auch einen vorzeitigen Abzug nicht aus.

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Im Einsatz: Französische Soldaten bei einer Patrouille in Afghanistan. Gefahr droht ihnen aber nicht nur von Taliban, sondern auch von afghanischen Soldaten.
Im Einsatz: Französische Soldaten bei einer Patrouille in Afghanistan. Gefahr droht ihnen aber nicht nur von Taliban, sondern auch...Foto: AFP

ParisDie radikal-islamischen Taliban stehen nach eigener Darstellung hinter dem Anschlag, bei dem am Freitag in Afghanistan vier französische Soldaten getötet wurden. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag, der afghanische Soldat, der die Schüsse abgegeben habe, sei von seiner Gruppe rekrutiert worden. Die Taliban hätten viele Menschen in wichtigen Positionen angeworben. Einige von ihnen hätten ihre Aufgabe bereits erfüllt.

Frankreich setzte nach dem Anschlag in der östlichen Provinz Kapisa alle Militäreinsätze in Afghanistan aus. „Die französische Armee ist nicht in Afghanistan, um sich von afghanischen Soldaten beschießen zu lassen“, begründete Präsident Nicolas Sarkozy den Stopp der Militäreinsätze. Die Unterstützung für Kampfeinsätze und die Ausbildung der afghanischen Armee seien ausgesetzt. Er schloss auch einen vorzeitigen Abzug nicht aus: „Wenn die Sicherheitsbedingungen nicht klar erfüllt sind, dann wird sich die Frage nach einer vorzeitigen Rückkehr der französischen Armee stellen.“

Ein afghanischer Soldat hatte eine Gruppe der Nato-Schutztruppe Isaf in der östlichen Provinz Kapisa beschossen, die als eines der Zentren des Aufstandes der Taliban gilt. Dabei wurden nach Angaben eines Nato-Sprechers vier Männer getötet und 16 verletzt, darunter acht Franzosen. Die Franzosen seien nicht bewaffnet gewesen und hatten gerade ein Sporttraining beendet, als sie erschossen wurden, so das französische Verteidigungsministerium. Der mutmaßliche Täter soll nach Angaben der Nato festgenommen worden sein. Erst Ende des vergangenen Monats hatte ein afghanischer Soldat zwei französische Streitkräfte erschossen. Seit 2001 starben in Afghanistan 82 französische Soldaten im Einsatz.

Eine Reihe von Anschlägen auf westliche Soldaten, die jeweils von einzelnen afghanischen Soldaten oder Polizisten ausgingen, hat Misstrauen zwischen den Partnern gesät. Vor elf Monaten hatte ein afghanischer Soldat auch drei deutsche Soldaten erschossen. Es wird befürchtet, dass Extremisten die afghanischen Truppen infiltrieren. Sarkozy versicherte, dass Frankreich weiter auf der Seite der Verbündeten in Afghanistan stehe, doch sei es inakzeptabel, wenn Soldaten durch die Verbündeten getötet oder auch nur verletzt würden. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erklärte solche Vorfälle seien „fürchterlich“, aber Einzelfälle. Die „New York Times“ berichtete am Freitag hingegen, die Zahl der tödlichen Angriffe einheimischer Soldaten auf die Schutztruppe habe zugenommen. Sie beruft sich dabei auf einen geheimen US-Militärbericht. Zwischen Mai 2007 und Mai 2011 seien mindestens 58 westliche Soldaten bei 26 Anschlägen getötet worden.

Bisher hatte Frankreich angekündigt, bis 2014 seine Streitkräfte aus Afghanistan abzuziehen. Derzeit befinden sich noch 3600 französische Streitkräfte vor Ort. Frankreich hat aber schon im vergangenen Oktober mit dem Rückzug seiner Truppen aus dem Land begonnen, 400 Soldaten wurden bisher abgezogen. Bis Ende 2012 sollen rund Tausend Soldaten abziehen. Deutschland will ab Februar die Zahl seiner Soldaten in Afghanistan von bisher 5350 auf höchstens 4900 Soldaten verringern. Darüber entscheidet der Bundestag am kommenden Donnerstag.

Sarkozy kündigte an, Verteidigungsminister Gérard Longuet werde begleitet von Generalstabschef Edouard Guillaud sofort nach Afghanistan reisen, um die Lage besser beurteilen zu können. Sarkozy erklärte auch, er werde mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai bei dessen Besuch in Paris in einer Woche über den Vorfall sprechen. Außenminister Alain Juppé forderte in Paris bezüglich der Rekrutierungen afghanischer Soldaten „glaubwürdige Zusicherungen“ der dortigen Armeeführung, sonst würden sich die französischen Truppen früher als geplant zurückziehen. Die Entscheidung darüber soll in den kommenden Tagen fallen. Der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande betonte schon, er sei für einen Rückzug der französischen Truppen aus Afghanistan bis Ende 2012, „so schnell wie möglich“.

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