AKW-Stresstest : EU sieht Probleme bei norddeutschen Kernkraftwerken

Laut EU-Kommission müssen fast alle Atomkraftwerke in der EU sicherer werden. In Deutschland werden sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein bemängelt. Doch die Nachrüstungen wären teuer.

Dieses Kernkraftwerk steht in Grohnde bei Hameln.
Dieses Kernkraftwerk steht in Grohnde bei Hameln.Foto: dpa

Bei praktisch allen Kernkraftwerken in der EU muss die Sicherheit verbessert werden. Das ist das Ergebnis der sogenannten Stresstests, das EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Donnerstag in Brüssel vorstellte. „Die
Sicherheitsstandards der Kernkraftwerke in Europa sind im Allgemeinen hoch, doch werden weitere Verbesserungen bei den sicherheitstechnischen Merkmalen nahezu aller europäischen Kernkraftwerke empfohlen“, hieß es in einer Erklärung der EU-Kommission.

Als Beispiel nennt die Kommission den Nachrüstungsbedarf bei Instrumenten, um eventuelle Erdbeben anzukündigen. Diese sollten bei 121 der 132 Reaktoren installiert oder nachgerüstet werden. Bei 81 Reaktoren sei das Material zur Bekämpfung schwerer Unfälle nicht sicher genug gelagert, hieß es in der Erklärung.

Bei den Atomkraftwerken in Norddeutschland sieht die EU in puncto Erdbebenwarnung Handlungsbedarf. Die EU-Experten empfahlen am Donnerstag, in den Anlagen Erdbebenwarnsysteme zu installieren. Insgesamt bemängeln die Fachleute sechs Anlagen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, von denen nur noch Brokdorf, Emsland und Grohnde aktiv sind. Auf dem Prüfstand standen in Deutschland zwölf Standorte mit 17 Reaktoren. Die Betreiber müssten nach Ansicht der EU-Kommission nachrüsten - vorschreiben kann Brüssel dies aber nicht.

Für die gesamte EU schätzen die Experten die Nachrüstungskosten für alle aktiven Meiler auf 10 bis 25 Milliarden Euro. Der Löwenanteil entfällt dabei auf Frankreich, das besonders viel Strom aus Atomkraft erzeugt. Der Test deckte bei französischen Kernkraftwerken zahlreiche Mängel auf.

Die Stresstests für die europäischen Atomkraftwerke waren im Juni 2011 begonnen worden. Sie sollten die Lehre aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima ziehen. In der EU stehen Angaben der Kommission zufolge 145 Atomreaktoren, derzeit sind noch 132 in Betrieb. (dpa/AFP)

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