Ambitionen für Bundestagswahl : Grünen-Urgestein Trittin reizt seine Partei

Der frühere Spitzenkandidat der Grünen bietet sich als Minister an, sollte die Bundestagswahl das ergeben. Damit sorgt Jürgen Trittin für Verstimmung in den eigenen Reihen.

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Jürgen Trittin, Ex-Spitzenmann der Grünen
Jürgen Trittin, Ex-Spitzenmann der GrünenFoto: dpa

Jürgen Trittin kann es nicht lassen. Als er im Herbst 2013 kapitulierte und sich nach der bitteren Wahlniederlage der Grünen vom Fraktionsvorsitz zurückzog, fragten sich viele in seiner Partei, welche Rolle er künftig wohl einnehmen werde. Als Spitzenkandidat hatte Trittin den Wahlkampf wie kein anderer geprägt: mit klarer Gerechtigkeitsagenda und kämpferischem Gestus. Eine Zeit lang war er unangefochten die Nummer eins gewesen. Und damit sollte auf einmal Schluss sein?

Es hat nicht lange gedauert, bis der Politprofi sich wieder vernehmbar in die politische Debatte einbrachte. Mit seinem Buch „Stillstand made in Germany“ reiste Trittin durch Deutschland und warb für ein „Bündnis der linken Kräfte der Mitte“. Dass er sich sogar vorstellen kann, auch selbst wieder vorne mitzumischen, hat der 62-Jährige nun dem „Spiegel“ zu Protokoll gegeben.

Wenn man die Chance habe, die Union 2017 aus der Regierung zu drängen, sei das doch spannend, sagte Trittin mit Blick auf ein rot-rot-grünes Bündnis. Auf die Frage, ob er selbst noch mal Minister werden wolle, reagierte er nicht mit den typischen Ausflüchten, zu denen Politiker ansonsten greifen. „Ich bin bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen“, sagte der Ex-Umweltminister. Er werde machen, was man ihm antrage. „Und ich glaube, dass ich das nicht schlecht mache“, fügt er hinzu.

Eine Provokation für die Führungsriege der Grünen. Einerseits, weil Trittin ihnen signalisiert, dass er sich selbst im Zweifelsfall immer noch für geeigneter hält, ein Ministeramt zu übernehmen als alle potenziellen Spitzenkandidaten, die sich gerade in der Urwahl bewerben. Aber auch, weil er aus der strategischen Linie ausschert, welche die Partei sich für den Bundestagswahlkampf verordnet hat. Mit dem „Kurs der Eigenständigkeit“ wollen die Grünen sich stärker öffnen und nicht auf eine Koalition festlegen lassen. Doch Trittin stellt dies infrage.

Sein Nachfolger als Fraktionschef, Anton Hofreiter, reagierte am Wochenende gereizt. Bei seiner Wahl war der Parteilinke noch von Trittin protegiert worden. Doch schon seit einiger Zeit ärgert Hofreiter sich immer wieder, dass die Kontrahenten aus dem Wahlkampf 2013, Ex-Spitzenkandidat Trittin und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, ihre Kämpfe nicht beilegen. Als Hofreiter beim Berliner Urwahlforum auf Trittins Ambitionen angesprochen wird, redet er sich in Rage. Erst mal gehe es darum, die gesellschaftliche Debatte zu verändern und Themen zu setzen. „Erst ganz zum Schluss diskutieren wir darüber, wer welchen Posten kriegt“, schimpft Hofreiter. Er würde sich wünschen, dass die Zusammenarbeit besser klappen würde. Und dass sich jeder Einzelne überlegen würde: „Muss ich wirklich in jede Kamera jedes Zeug reinreden, bloß weil sie mir ein Mikrofon vor die Nase halten.“

Auch der Chef der europäischen Grünen und der Ex-Bundesvorsitzende Reinhard Bütikofer sagt: „Alle Grünen-Spitzen warnen davor, jetzt über Posten zu spekulieren, aber der ehemalige Fraktionsvorsitzende Trittin bietet sich selbst als Minister an“, sagte er dem Tagesspiegel. Es sei offenkundig, dass die Grünen sich öffnen müssten. „Aber Trittin trommelt für das Projekt grüne Wagenburg. Anscheinend ist ihm die Niederlage von 2013 nicht genug.“

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