Politik : Amulette

Robert von Rimscha

^Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn Arbeitgeber und Gewerkschaftsbosse nicht mal mehr gemeinsam Kanzlers Linsen essen mögen, wenn die Republik zwischen Fasching und Kriegsangst wankt, dann fragt man sich doch, ob es jenseits deutscher Grenzen auch Närrisches gibt, oder Angst, oder Krisen, oder kalt werdende Linsen. Gibt es. Dazu muss man nur nach Thailand blicken. Von dort erreicht uns die vorbildliche Nachricht, dass Angst ein Konjunkturmotor sein kann. Zumindest werden rund um Bangkok derzeit so viele Schutzamulette verkauft wie noch nie. Das liegt daran, dass die Regierung dem Drogenhandel zu Leibe rückt. Tausend Menschen starben, der Rest behängt sich mit Amuletten zur Abwehr von Gewehrkugeln und Gerichtsvorladungen. Volkswirtschaftlich ist das alles relevant, weil ein Nobel-Amulett 200 000 Euro kosten kann. Wenn es von einem hochverehrten Mönch stammt. Deutschland hat wenig hochverehrte Mönche, aber viel Angst vor der Zukunft und vor Vorladungen. Wenn also jeder der 315 000 deutschen Schwarzarbeiter, gegen die 2002 ermittelt wurde, ein Amulett umgehängt hätte: Dann wären ja zu den Bußgeldern von 127,5 Millionen Euro nochmals 31,5 Millionen Euro hinzugekommen, direkt in die Wirtschaft, wenn das Durchschnittsamulett nur 100 Euro kostete! Wir brauchen mehr Fantasie bei der Ankurbelung der Ökonomie. Aber heute ist ja Aschermittwoch. Und alles Närrische erledigt. Nix war’s mit den Angst-Amuletten als wahrem Bündnis für Arbeit.

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