André Yorulmaz : Lucke will schwulen Deutschtürken als Generalsekretär

Vielen gilt die AfD als ausländerfeindlich und homophob. Im Machtkampf mit Frauke Petry nominiert Bernd Lucke nun einen schwulen Deutschtürken als Generalsekretär.

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André Yorulmaz sollt nach dem Willen von Bernd Lucke AfD-Generalsekretär werden.

Wie ein Prüfer auf seinen Prüfling blickte AfD-Chef Bernd Lucke am Montag auf den großgewachsenen Mann neben ihm. Der VWL-Professor stellte seinen Kandidaten für das Amt des AfD-Generalsekretärs vor. Lucke kämpft um die Führung der Partei, am kommenden Wochenende wird er gegen seine bisherige Co-Chefin Frauke Petry antreten. Einen Generalsekretär hat die AfD bisher nicht, und unklar ist auch, ob es dieses Amt nach dem Parteitag in Essen überhaupt geben wird: Möglicherweise wird die „Bremer Satzung“, die einen Generalsekretär vorsieht, dort wieder gekippt.

Diese Unsicherheit änderte nichts daran, dass Lucke schon mal mit einem Kandidaten vorpreschte. In der Partei, die oft als rechtspopulistisch bezeichnet wird, ist ihm damit ein Coup gelungen: Antreten für ihn soll André Yorulmaz, 32, selbstständiger Finanzberater, deutsche Mutter, türkischer Vater, schwul und mit seinem Freund zusammenlebend. Lucke sagte, Yorulmaz könne Themen „authentisch“ vertreten, deren Vernachlässigung ihm oft vorgeworfen werde.

Yorulmaz ist AfD-Kreischef in Recklinghausen, er wuchs bei seiner Mutter auf, die Eltern trennten sich, als er drei Jahre alt war. „Ich habe eine christlich geprägte Erziehung genossen“, sagte er. Er habe aber immer Kontakt mit seinem Vater gehalten und wisse daher wie ein „islamisch geprägtes Weltbild“ aussehe. In Deutschland gebe es „Parallelgesellschaften“, darüber müsse gesprochen werden. Yorulmaz sagte, er gebe wohl nicht „das typische Bild eines Homosexuellen ab“. Er bejahe Gleichberechtigung, bekenne sich aber klar zu einem „konservativen Familienbild“ und lehne deshalb das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare ab.

Ulrike Trebesius soll gegen Frauke Petry antreten

Neben Yorulmaz verkündete Lucke noch eine zweite Personalie: Co-Chefin neben ihm soll Ulrike Trebesius werden, AfD-Chefin in Schleswig-Holstein. Gegen sie wird wohl Frauke Petry kandidieren. Lucke sagte, sein Verhältnis zu Petry sei „gewissen Zerrüttungen“ ausgesetzt, er werde aber „notgedrungen“ mit ihr zusammenarbeiten, falls Petry wieder zu seiner Co-Vorsitzenden gewählt werden sollte. Für den Fall einer kompletten Niederlage drohte Lucke indirekt mit der Abspaltung der 4400 Mitglieder, die in dem Pro-Lucke-Verein „Weckruf“ organisiert sind.

Petry wird vor allem von NRW-Landeschef Marcus Pretzell unterstützt. Dieser hatte Yorulmaz gefördert. Der Draht zu ihm sei nun abgebrochen, sagte dieser. Prüfer Prof. Dr. Lucke schien mit seinem Prüfling zufrieden zu sein.

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