Angst ums Gas : Bald doch Fracking in Deutschland?

Fracking bei der Öl- und Gasförderung in Deutschland gilt in Deutschland als gesellschaftlich nicht durchsetzbar. Trotzdem steht das Thema nun wieder auf der Agenda der Koalition.

von und
Eine Ölförderungsplattform in einem Tal bei Troy in Pennsylvania (USA).
Eine Ölförderungsplattform in einem Tal bei Troy in Pennsylvania (USA).Foto: dpa

Im Wahlkampf im vergangenen Sommer schien das Thema mausetot. Alle der damals im Bundestag vertretenen Parteien hatten in ihre Wahlprogrammen einen Abschnitt zur Fracking-Technologie bei der Öl- und Erdgasförderung geschrieben. Alle haben die Anwendung in Deutschland mehr oder minder klar abgelehnt. Denn eine Mehrheit der Bundesbürger ist laut Umfragen dagegen, dass Rohstoffkonzerne Flüssigkeiten in die Erdkruste pumpen, um mehr Öl und Gas herauszubekommen. Es wurden keine Genehmigungen für Bohrungen mehr erteilt. Doch nun, eine Bundestagswahl und eine Krim-Krise später, steht das Thema wieder auf der Agenda.

Warum lebt das Thema wieder auf?

Ein Grund, warum die Debatte nie beerdigt wurde, ist der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD. Dort wird die unkonventionelle Erdgasgewinnung, insbesondere die Schiefergasförderung, die gemeinhin mit Fracking gleichgesetzt wird, zwar als „Technologie mit erheblichem Risikopotential“ bezeichnet. Anstatt aber – wie bei der Kernkraft – ein Moratorium anzukündigen, ließen die Koalitionäre im Vertrag eine Hintertür offen: „Über Anträge auf Genehmigung kann erst dann entschieden werden, wenn die nötige Datengrundlage zur Bewertung vorhanden ist und zweifelsfrei geklärt ist, dass eine nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit nicht zu befürchten ist.“

Dann spitzte sich die Ukraine-Krise zu. Nachdem Wladimir Putin vor zwei Wochen die Krim zum Teil des russischen Staatsgebietes erklärte, kochte hierzulande die Debatte um die Versorgungssicherheit Deutschlands mit russischem Öl- und Gas wieder hoch. Gut ein Drittel des Erdgasbedarfs deckt Deutschland aus russischen Quellen. Sollten diese – allen Beteuerungen des Gazprom-Chefs und der historischen Erfahrung zum Trotz – nicht mehr zur zur Verfügung stehen, müsste mehr Gas aus anderen Quellen kommen.

Schätzungen zufolge könnten hierzulande 0,7 bis 2,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas gewonnen werden. Ein Gas-Boom wie in den USA wird es damit nicht geben. Die Förderung könnte in etwa den Rückgang ausgleichen, der bei Gas aus konventionellen Lagerstätten seit zehn Jahren beobachtet wird, schätzen Experten.

Was genau ist Fracking?

Mit dem Begriff wird das Aufbrechen von Gestein bezeichnet: Wird Wasser mit hohem Druck in den Untergrund gepresst, entstehen Risse (Fractures). Über diese Risse kann mehr Gas aus dem Gestein zum Bohrloch strömen und gefördert werden. Das Verfahren wird in der Gasindustrie seit Jahrzehnten eingesetzt. Ein Drittel des heute in Deutschland geförderten Gases kommt aus Bohrungen, die durch Fracking „stimuliert“ wurden.

In die Kritik geraten ist die Technik im Zusammenhang mit der Gewinnung von Schiefergas. Dabei handelt es sich um Erdgas, das nicht – wie üblich – in porösen Schichten lagert, sondern in dichtem Schiefergestein. Um es zu erschließen, muss deutlich mehr „gefrackt“ werden. Damit vergrößern sich die Umweltgefahren, warnen Kritiker.

38 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben