Politik : Animateur ohne Animierte

Hans Monath (mit dpa)
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Berlin - Für das Ansehen der Kanzlerin war es kein gutes Jahr, für ihren Sprecher schon. Das Zutrauen zur Führungskraft Angela Merkels schmolz dahin, ihre Koalition stützte in Umfragen ab. Doch Steffen Seibert, der am Donnerstag vor zwölf Monaten sein Amt als Regierungssprecher antrat, schaut auf ein „faszinierendes und lehrreiches Jahr“ zurück. Jeden Tag, so versichert der frühere ZDF-Moderator, habe er das Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Von Merkels Politik ist Seibert überzeugt. Doch wäre es falsch, vor allem ihn verantwortlich zu machen für ihren Absturz. Denn es ist ein heikler Job, eine Kanzlerin zu erklären, die keine Botschaften verkündet und deren Politik ohne emotionalen Rahmen auskommen muss. Auch ein genialer Verkäufer wäre unter ihr dazu verdammt, das Politsprech der Ministerien ins Allgemeindeutsche zu übersetzen, statt am Teppich großer Erzählungen zu weben. Seiberts Vorgänger Ulrich Wilhelm, heute Intendant des Bayerischen Rundfunks, konnte das Manko durch seine Seriosität ausgleichen. Er galt als Sprecher, dessen Urteil im internen Regierungszirkel Merkels großes Gewicht hatte.

Seiberts Stellung im Kabinett wird dagegen als weit schwächer eingeschätzt. Anders als Wilhelm, der erfahrene CSU-Mann, musste der Moderator die Gesetze der Politik erst mühsam lernen. Sein Sendungsdrang scheint ungebrochen. Doch bisweilen wirkt der 51-Jährige in der Bundespressekonferenz wie ein begeisterter Animateur, der bei seinem Publikum keinerlei Begeisterung weckt. Immerhin scheint er nun gemerkt zu haben, dass Zensurversuche von Fragen Missmut auslösen.

Angeknackst wurde sein Ruf auch durch eine Reihe von schweren Patzern. So warf ihm die Deutsche Bank im vergangenen Jahr Rufschädigung vor, nachdem er fälschlicherweise behauptet hatte, das Institut sei durch sein Engagement in Irland schwer belastet. Auch der damalige Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) beschwerte sich.

Begeistert ist Seibert nicht nur vom eigenen Job, sondern auch von modernen Kommunikationsmitteln. Als erster Regierungssprecher twittert er – und hat bereits mehr als 30 000 „Follower“. Leider unterlief ihm auch dabei ein Fehler. „Obama – verantwortlich für Tod Tausender Unschuldiger“, meldete er. Schnell folgte die Korrektur. Gemeint war nicht der US-Präsident, sondern Osama bin Laden. Hans Monath (mit dpa)

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