Anschläge in Paris : Sicherheitsexperten sehen Ähnlichkeiten zu Mumbai

Erste Analyse aus den deutschen Sicherheitsbehörden: Was bei den Terrorangriffen in Paris auffällt, ist die spezielle Medienstrategie. Die Experten vergleichen die Anschläge mit dem Terror von Mumbai im Jahr 2008.

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2008: Mehrere Attentäter griffen unter anderem das Hotel "Taj Mahal Palace and Tower" im indischen Mumbai an.
2008: Mehrere Attentäter griffen unter anderem das Hotel "Taj Mahal Palace and Tower" im indischen Mumbai an.Foto: picture alliance/dpa

Deutsche Sicherheitsbehörden haben nach den Anschlägen von Paris bisher keine Hinweise auf Auswirkungen in Deutschland - sind aber besorgt wegen der Vorgehensweise der Attentäter. Ein hochrangiger deutscher Sicherheitsexperte sagte dem Tagesspiegel: "Wir sind jetzt alle im Dienst, Länderbehörden tauschen sich mit Bundesbehörden aus. Es gibt noch keine Hinweise auf Auswirkungen der Pariser Ereignisse auf Deutschland. Bislang sehen wir für die Bundesrepublik auch keine erhöhte Sicherheitslage. Es besteht natürlich die Gefahr von Nachahmungstaten - auch mittelfristig. Die Ereignisse in Paris sehen eindeutig nach einem islamistischen Terrorangriff aus, wie im Januar bei dem Anschlag auf die Zeitschrift 'Charlie Hebdo'."

Ein weiterer hochrangiger deutscher Sicherheitsexperte sieht in dem Terrorangriff in Paris eine perfide Medienstrategie der Täter. "Das ist das Spezielle: Die Anschläge begannen während des Länderspiels, da waren die Medien besonders aufmerksam", sagte der Fachmann dem Tagesspiegel. Den Terroristen gehe es offenkundig darum, die Medien möglichst lange in das Geschehen hineinzuziehen, um größtmögliche Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. "So ähnlich war es auch bei dem Terrorangriff in Mumbai", betonte der Experte. Dort hatten im November 2008 islamistische Terroristen an zehn verschiedenen Orten um sich geschossen, Handgranaten geworfen und Geiseln genommen. Die Attacke dauerte drei Tage, mehr als 170 Menschen wurden getötet, die Medien berichteten live und weltweit. "Mumbai und Medien, das ist in Kurzform jetzt offenbar auch die Taktik in Paris", sagt der Experte. Deshalb habe der Angriff jetzt auch eine noch größere Dimension als die Attacke im Januar auf die Zeitschrift "Charlie Hebdo".

"Da ging es um eine punktuelle Rache", die nahezu zeitgleiche Geiselnahme damals in einem Supermarkt habe den Charakter der Bestrafung Frankreichs für die von "Charlie Hebdo" gedruckten Mohammed-Karikaturen noch verstärken sollen, sagte der Experte.

Ob der Angriff jetzt vom "Islamischen Staat" (IS) gesteuert werde, lasse sich vermutlich erst in zwei, drei Wochen feststellen. "Es reicht doch schon, dass die Täter vom IS inspiriert worden sein können". Er sehe die Gefahr, sagte der Experte, dass ein Angriff wie in Paris auch in Deutschland geschehen kann. Der Fachmann betont jedoch, bislang gebe es keine Erkenntnisse, dass die Taten in Paris irgendeinen Bezug zur Bundesrepublik haben.

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