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Anschlag in Stockholm : Tatverdächtiger Usbeke sollte seit 2016 abgeschoben werden

Der Hauptverdächtige für den Lkw-Anschlag in Stockholm hatte laut Polizei Sympathien für den IS. Am Sonntag gab es eine zweite Festnahme. Die Toten sind inzwischen identifiziert.

Gedenken an die Opfer des Lkw-Anschlags in Stockholm
Gedenken an die Opfer des Lkw-Anschlags in StockholmFoto: AFP/Jonathan Nacktstrand

Der nach dem Lkw-Anschlag in Stockholm festgenommene Mann hat den schwedischen Behörden zufolge Sympathien für „extreme Organisationen“ gezeigt, darunter die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Das sagte ein Polizeisprecher am Sonntag in der schwedischen Hauptstadt. Die Ermittler vermuten, dass der 39 Jahre alte Usbeke am Freitag einen Lkw in einer Einkaufsstraße in eine Menschenmenge gesteuert hatte. „Die Beweislage hat sich verstärkt, und die Ermittlungen laufen sehr gut“, sagte Jan Evensson von der Stockholmer Polizei.

Der Verdächtige war am Samstag zum ersten Mal verhört worden. Ob er sich dabei zu seinem Motiv geäußert habe, wollte die Polizei nicht kommentieren.

Schwedens Regierungschef Stefan Löfven forderte am Sonntag eine konsequentere Abschiebepraxis. Den Ermittlern zufolge beantragte er 2014 eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden. Im Juni 2016 entschied die Migrationsbehörde demnach, ihn auszuweisen. Da er das Land nicht verlassen habe, sei er gesucht worden, sagte ein Polizeisprecher. „Das frustriert mich“, sagte der Sozialdemokrat Löfven bei einem Kongress seiner Partei in Göteborg. Ein Nein müsse eine Abschiebung zur Folge haben. „Wir müssen die Möglichkeiten verbessern, das durchzusetzen.“

Die Polizei sucht weiter nach möglichen Helfern des mutmaßlichen Attentäters. „Ungefähr fünf“ Personen halte man derzeit fest, sagte Evensson. Etwa 500 Menschen seien befragt worden. „Wir haben viele Kontrollen durchgeführt und Wohnungen in Stockholm durchsucht“, sagte er.

Am Sonntagmorgen nahm die Polizei eine zweite Person unter Terror- und Mordverdacht fest. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Nachmittag mit.

Die Ermittler untersuchten außerdem einen verdächtigen Gegenstand, der auf dem Fahrersitz des Lastwagens gefunden worden war. Medien hatten spekuliert, es könnte sich um eine Bombe handeln. Das bestätigte die Polizei bei der Pressekonferenz nicht.

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag in der belebten Drottninggatan waren vier Menschen getötet worden, 15 wurden verletzt. Zwei der Toten stammten den Behörden zufolge aus Schweden, die anderen beiden aus Großbritannien und Belgien. Geschlecht und Alter der Opfer gab die Polizei aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt.

Am Sonntagnachmittag wollten sich Stockholmer auf einem zentralen Platz versammeln, um der Opfer zu gedenken und zu zeigen, dass sie keine Angst vor Terror haben. Der Anschlag war nach London und St. Petersburg der dritte in Europa innerhalb von drei Wochen.

"Liebes-Kundgebung" in Stockholm

Am späten Samstagabend hatte die Polizei die Absperrungen um den Tatort entfernt. Ganz in der Nähe wollten sich Menschen am Sonntagnachmittag versammeln. Zu der „Liebes-Kundgebung“ meldeten sich auf Facebook rund zehntausend Menschen an. Für 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags am Freitag, war eine Schweigeminute geplant. Am Montag soll es außerdem eine landesweite Schweigeminute geben.

Schwedens König Carl XVI. Gustaf hatte den Lkw-Anschlag am Wochenende als „verachtenswürdig“ verurteilt. Doch ihm gebe Hoffnung, „dass all diejenigen unter uns, die helfen wollen, viel zahlreicher sind als diejenigen, die uns schaden wollen“, sagte der Monarch vor dem Königspalast in der Hauptstadt. Carl Gustaf und seine Frau, Königin Silvia, hatten nach dem Anschlag eine Brasilien-Reise abgebrochen und waren nach Schweden zurückgekehrt.

Die schwedische Polizei will nach der Tat weiter verstärkt Präsenz zeigen. „Ungefähr 100 Polizisten aus dem ganzen Land sind zur Unterstützung nach Stockholm beordert worden“, sagte ein Sprecher. Zehn Tage lang sollen außerdem alle Ausreisenden an den Grenzen kontrolliert werden. Man könne noch nicht ausschließen, dass mehrere Menschen an der Tat beteiligt gewesen seien, hatte Reichspolizeichef Dan Eliasson am Samstag gesagt. „Wir haben eine enge Zusammenarbeit mit Europol und Interpol.“

Die internationale Solidarität mit dem Land war am Wochenende groß. So wurde etwa das finnische Außenministerium in Helsinki in der Nacht zum Sonntag in den schwedischen Nationalfarben blau und gelb angestrahlt. (dpa)


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