Anti-Islam-Bewegung : Dresdner loben Pegida: Wir sind jetzt selbstbewusster

Der Zulauf zu Pegida geht zurück. Dennoch glauben viele Dresdner laut einer Umfrage, dass die Anti-Islam-Bewegung in der Stadt auch Positives bewirkt hat. Politiker würden "endlich wieder mit dem Volk sprechen".

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Pegida-Kundgebung Anfang Mai in Dresden
Pegida-Kundgebung Anfang Mai in DresdenFoto: Matthias Hiekel/dpa

Die Mehrzahl der Dresdner lobt Pegida dafür, dass sich seit den im vergangenen Herbst gestarteten Protesten das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Politik verbessert hat. Laut einer Umfrage der "Dresdner Neuesten Nachrichten" (DNN) sind 54 Prozent ganz oder wenigstens teilweise davon überzeugt, dass die Bewegung zu mehr Selbstbewusstsein der Wähler und Nichtwähler beigetragen habe. Knapp 40 Prozent glauben, die Anti-Islam-Bewegung, die ihren Stammsitz in Dresden hat, habe Politiker dazu bewegt, "endlich wieder mit dem Volk zu sprechen". Ein Drittel gab an, dass aus ihrer Sicht dank Pegida über Themen gesprochen wird, "die die Menschen hier wirklich interessieren".

Allerdings hat der Rechtsruck bei Pegida dazu geführt, dass sich mehr und mehr Einwohner der sächsischen Landeshauptstadt von der Bewegung abwenden. Im Februar gaben noch sieben Prozent der Befragten an, die Ziele von Pegida zu teilen, 48 Prozent taten dies teilweise. Dieser Anteil sank binnen zwei Monaten auf fünf beziehungsweise 41 Prozent. Im Februar erklärten 45 Prozent, sie teilten die Ziele von Pegida nicht, im April waren es bereits 54 Prozent.

Die Bewegung um Lutz Bachmann hatte in den vergangenen Wochen Rechtspopulisten aus Europa nach Dresden geholt, unter anderem den niederländischen Islam-Hasser Geert Wilders. Bei der Kundgebung am Montag vergangener Woche mischte sich auch der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz unter die Teilnehmer, er posierte für ein Foto gemeinsam mit Pegida-Organisator Siegfried Däbritz vor der Dresdner Synagoge.

Die Auswirkungen von Pegida auf das Leben und die Wirtschaftsentwicklung in Dresden werden von den Einwohnern der Stadt unterschiedlich eingeschätzt. 57 Prozent geben der DNN-Umfrage zufolge zu, dass Ausländer und Migranten sich in Dresden vermutlich nicht mehr wohl fühlen. Nur 18 Prozent mögen diese Ansicht nicht teilen, ein Viertel ist sich unsicher. Dagegen meint nur knapp ein Viertel, dass Dresden wegen Pegida weniger gern als Sitz neuer Firmen ausgewählt wird. Fast 50 Prozent vermuten dagegen, dass die "Patriotischen Europäer" nur wenige oder gar keine Unternehmen abschrecken. Gerade einmal zehn Prozent glauben, dass die Bewegung abschreckend auf Touristen wirkt.

Nach Einschätzung des Leiters der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, wird Pegida vorerst nicht verschwinden. Die fremdenfeindliche Protestbewegung sei "eine Gefühls- und Problemstau-Blase, die geplatzt ist und die nun abfließt", sagte Richter im Radiosender MDR-Info. "Selbst wenn die Zahlen bei den Demonstrationen zurückgehen, bleiben ja doch offensichtlich Probleme übrig." Zu deren Bewältigung kündigte er auch weitere Diskurs-Angebote der Landeszentrale an. Die Einrichtung werde aber nicht ihr normales Arbeitsprogramm in der politischen Bildung aufgeben, "um ausschließlich nur noch Dialoge und Diskussionsveranstaltungen zum Thema Pegida oder No-Pegida durchzuführen".

Die islamfeindliche Bewegung hatte am Montagabend ein weiteres Mal in Dresden demonstriert. Wie in der Vorwoche versammelten sich etwa 3000 Anhänger auf dem Schlossplatz sowie zu einem sogenannten Abendspaziergang durch die Dresdner Innenstadt. Die am stärksten besuchte Pegida-Kundgebung der vergangenen Wochen war am 13. April der Auftritt des niederländischen Rechtspopulisten Wilders. Damals wurden rund 10.000 Sympathisanten von Pegida in Dresden gezählt.


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