Anti-Terror-Kampf in Afrika : London stellt sich auf langen Einsatz ein

Der britische Regierungschef David Cameron sieht im Islamismus eine "globale Bedrohung", die eine "globale Antwort" erfordere. Großbritannien will keine Truppen nach Mali entsenden, Presseberichten zufolge sollen aber Elitesoldaten vor Ort sein.

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Der britische Regierungschef David Cameron nimmt inzwischen Algerien nach dem Ende des Geiseldramas in Schutz.
Der britische Regierungschef David Cameron nimmt inzwischen Algerien nach dem Ende des Geiseldramas in Schutz.Foto: Reuters

Großbritannien hat am Sonntag den Tod von drei britischen Staatsbürgern bei der Geiselnahme von In Amenas bestätigt. Drei weitere seien vermutlich bei dem „erschreckenden Ereignis“ ums Leben gekommen, sagte Premierminister David Cameron in einer an seinem Landsitz Chequers abgegebenen Erklärung.

Noch am Freitag hatte Cameron im Unterhaus seine Frustration über die mangelnde Kooperation Algeriens bei der Lösung des Geiseldramas zum Ausdruck gebracht. Am Wochenende nahm er nun den nordafrikanischen Staat vor weiterer Kritik in Schutz und machte die Terroristen allein für den blutigen Ausgang des Geiseldramas verantwortlich. Der Angriff sei eine „brutale Erinnerung“ an die Bedrohung durch den Terrorismus, mit der die gesamte Welt konfrontiert sei, sagte Cameron.

Die Krise in Mali in Bildern
Ein Handout der französischen Armee, zur Verfügung gestellt vom French Army Communications Audiovisual office (ECPAD), zeigt einen französischen und einen malischen Soldaten im Gespräch, während der Militäroperation "Serval" in Diabali, Mali.Weitere Bilder anzeigen
1 von 28Foto: dpa
24.01.2013 15:12Ein Handout der französischen Armee, zur Verfügung gestellt vom French Army Communications Audiovisual office (ECPAD), zeigt einen...

Der britische Regierungschef sagte, dass es in einigen Regionen der Welt gelungen sei, die Bedrohung durch den Islamismus zu verringern. Allerdings sei sie besonders in Nordafrika gewachsen. „Dies ist eine globale Bedrohung, und sie braucht eine globale Antwort, die Jahre, sogar Dekaden, nicht nur Monate dauert“, erklärte Cameron.

Auch der britische Außenminister William Hague nahm Algerien vor Kritik in Schutz. Zwar sagte er auch, dass Großbritannien Konsultationen begrüßt hätte. Aber als souveränes Land habe Algerien bei einem Angriff auf eigenem Boden, der eine schnelle Reaktion verlangt habe, gehandelt. Damit ging Hague auf die mögliche Drohung der Terroristen ein, die Gasanlage In Amenas zu sprengen. Algerien verfüge über eine Armee, die im Kampf gegen Aufrührer „sehr erfahren“ sei, sagte der Außenminister.

London richtet sich offenbar auf ein lange währendes Engagement in Nord- und Westafrika ein. Hague stellte sich klar hinter Frankreichs Militäreinsatz in Mali, betonte aber die Notwendigkeit, auch humanitär und politisch mit den Ländern der Region zu kooperieren. Großbritannien wird keine Truppen nach Mali schicken, da die britischen Streitkräfte noch zu sehr in Afghanistan gebunden sind. Cameron unterstützt den französischen Militäreinsatz aber wie Berlin mit zwei Transportflugzeugen. Presseberichten zufolge sind zudem unbemannte Flugzeuge im Einsatz, auch ein Dutzend Elitesoldaten sind Berichten zufolge entsandt worden.

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