Anton Hofreiter und Sahra Wagenknecht : Wie Rot-Rot-Grün im Bund möglich werden kann

Ist Rot-Rot-Grün nach Gregor Gysis Abschied noch eine Option? "Wir würden, wenn wir mit Sigmar Gabriel regieren, einiges durchsetzen", sagt Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter im Gespräch mit der designierten Linken-Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht.

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Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht, Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter
Linken-Fraktionsvize Sahra Wagenknecht, Grünen-Fraktionschef Anton HofreiterFoto: Thilo Rückeis

Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Anton Hofreiter, geht davon aus, dass auch mit Sahra Wagenknecht an der Spitze der Linksfraktion eine rot-rot-grüne Regierung im Bund möglich werden kann. In einem Doppelinterview mit der Linken-Politikerin für den Tagesspiegel sagte Hofreiter: "Ich bin ein optimistischer Mensch. Und deswegen habe ich die Erwartung, dass Dietmar Bartsch und Sahra Wagenknecht, wenn sie zu Fraktionschefs gewählt werden, daran arbeiten, dass Rot-Rot-Grün eine Option wird." Der Grünen-Fraktionschef sagte weiter: "Wir würden doch, wenn wir mit Gabriel regieren, einiges durchsetzen."

Wagenknecht betonte in dem Gespräch, die Linke habe "immer wieder angeboten, Gespräche über eine rot-rot-grüne Regierung zu führen. Schon 2005, als der SPD-Vorsitzende Kurt Beck hieß. Herr Gabriel könnte morgen kommen. Dann würde man sehen, ob wir uns einigen können."

Die Linken-Politikerin warnte allerdings vor einer Außenpolitik, bei der mit militärischen Mitteln eingegriffen wird. "Die Bundesrepublik ist über viele Jahre sehr gut damit gefahren, dass es keinen einzigen deutschen Soldaten im Ausland gab. Für Willy Brandt war Krieg die ultima irratio. Mit Petra Kelly gehörte Pazifismus zum Gründungskonsens der Grünen." Scheinbar harmlose Einsätze seien immer das Einfallstor. "Am Ende stehen dann Kriege wie in Afghanistan oder Jugoslawien."

Hofreiter ermunterte die Linke zu Kompromissen, um einen Politikwechsel im Bund zu ermöglichen. Von Forderungen wie Vermögenssteuer, Rücknahme der Arbeitsmarktreformen, besseren Renten und einer friedlichen Außenpolitik könne die Linke einen Teil kriegen, "aber nicht, wenn ihr vor Koalitionsverhandlungen eure 100 Prozent festschreibt". "Wenn die Linke von vornherein rote Haltelinien aufbaut, an denen die SPD nur scheitern kann, ist das kein ehrliches Angebot." Auf die Frage, ob er sich eine gemeinsame Regierung mit Wagenknecht vorstellen könne, sagte Hofreiter: "Natürlich, wenn sie und die SPD zu Kompromissen bereit sind. Denn klar ist: Weder die Grünen noch die Linke sind eine 50-Prozent-Partei."

Hofreiter führt die Grünen-Fraktion seit Herbst 2013 gemeinsam mit Katrin Göring-Eckardt. Die stellvertretende Linken-Fraktionschefin Wagenknecht soll im Oktober gemeinsam mit Dietmar Bartsch die Nachfolge von Gregor Gysi antreten. Zur künftigen Rolle von Gysi sagte Wagenknecht: "Es gibt in vielen Parteien Elder Statesmen, die nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Ich wünsche mir, dass Gregor Gysi weiter für die Linke aktiv ist. Es wäre schön, wenn er 2017 wieder kandidiert."

Das vollständige Interview mit Sahra Wagenknecht und Anton Hofreiter lesen Sie im Tagesspiegel am Sonntag sowie ab 19.30 Uhr im E-Paper.

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